Andere  Staaten.  119

Schulkinder  bei  einem  Fürsorgezyklus  im  Sommer  1908  über  den
Stand  der  Speisungsfrage  in  19  Schweizer  Städten  Materialien
zu  sammeln  gesucht  und  dabei  festgestellt,  daß  mit  Ausnahme
von  Glarus  in  allen  diesen  Städten  entweder  besondere  Schulsuppenküchen
  für  die  Wintermonate  bestehen  oder  durch  Ausgabe  von
Bons  für  allgemeine  Suppenküchen,  Volksküchen  und  dergl.  bedürftigen
  Schulkindern  Speisung  verschafft  wird.  Meist  sind  es  gemeinnützige
  Privatgesellschaften,  die  die  Errichtung  von  Suppenanstalten
in  die  Hand  genommen  haben  und  auch  den  Betrieb  durchführen.  Viele
dieser  Küchen  erhalten  von  den  Stadtverwaltungen  Unterstützungen,
während  die  anderen  Auslagen  durch  Vereinsbeiträge  und  Sammlungen
gedeckt  werden.  Nur  in  Luzern  und  Zürich  wird  Kindern  in  der  Zehnuhrpause
  warme  Milch  als  Frühstück  gegeben.  Die  Speisungen  werden
zumeist  im  Dezember  begonnen  und  dauern  drei  bis  vier  Monate.  Zumeist
  wird  die  Mittagssuppe  unentgeltlich  gegeben;  in  einigen  Städten
jedoch  ist  die  Zahl  der  Selbstzahler,  wie  z.  B.  in  Frauenfeld  mit  75,
in  Lausanne  mit  91  00  und  in  Genf  und  Freiburg  in  ähnlicher  Höhe
recht  beträchtlich.  Fast  überall  wird  eine  Suppe  mit  Einlage  und  Brot
verabreicht,  nur  in  Zürich  an  einzelnen  Tagen,  um  den  Nährgehalt  zu
*P[§°i(92  eine  Zulage  von  Wurst  oder  Käse  gewährt.  Die  Zahl  der
gespeisten  Kinder  betrug  im  Schuljahre  1906/07  rund  8700,  darunter  in
Zürich  und  Basel  allein  3300,  bezw.  3150.

Italien.

Über  Speisungseinrichtungen  in  den  größten  Städten  des  Königreichs,
  wie  für  Rom  und  Neapel,  liegen  nur  vereinzelte  Angaben  vor.
Besondere  Beachtung  verdient  die  Organisation  der  Kinderspeisung
in  Mailand.  Vor  einer  Reihe  von  Jahren  wurde  eine  besondere  Kommission
  eingesetzt,  die  sich  mit  dem  Studium  der  Ernährungsverhältnisse
der  Volksschuljugend  zu  befassen  hatte.  Vorerst  suchte  man  mit  einem
Betrage  von  etwa  80  000  .K  durch  fünf  Monate  hindurch  eine  möglichst
große  Zahl  bedürftiger  Kinder  mit  Nahrung  zu  versorgen  und
laubte  dies  am  besten  mit  Verabreichung  einer  kalten  Mahlzeit  tun  zu

önnen.  Je  nach  dem  Alter  der  Schüler  wurden  100—150  g  Brot  und
dazu  an  den  einzelnen  Wochentagen  20—30  Salami,  Käse  oder  Mortadella
  gegeben.  Diese  kalten  Mahlzeiten  fanden  jedoch  auf  die  Dauer
keinen  großen  Beifall.  In  den  letzten  Jahren  wird  nunmehr  an  den
meisten  Schulen  ein  warmes  Mittagessen,  zumeist  bestehend  aus  Fleisch,
Makkaroni  oder  Risotto  an  etwa  10  00  der  gesamten  Schulkinder,  d.  i.
4500  verabreicht.  Diese  Speisung  kostet  dem  Stadtrate  jetzt  ungefähr
240  000  K  pro  Jahr,  obwohl  ungefähr  200%  der  Schulkinder  für  die
Mahlzeit  10  Pfg.  zahlen.  Auch  in  Mailand  konnte  die  Erfahrung  gemacht
  werden,  daß  der  Prozenzsatz  der  unentgeltlich  verabfolgten
Speisen  von  Jahr  zu  Jahr  zunimmt,  die  Eltern  immer  weniger  willig
sind,  die  öffentlichen  Aufwendungen  zu  entgelten,  auch  wenn  besondere
edürftigkeit  nicht  vorliegt.  So  ist  der  Kostenaufwand  der  Stadt  für
die  Schülerspeisungen  vom  Jahre  1900  bis  1905  von  100  000  auf
330  000  Francs  allein  angewachsen.