Schlußbetrachtungen.  121

April  in  Schulküchen  oder  in  gemieteten  Speiseräumen  ein  Mittagsmahl,
  bestehend  aus  Suppe,  Fleisch  und  Brot,  seltener  ein  Frühstück
aus  Milch  und  Brot  oder  einer  Milchsuppe.  Der  Durchschnittspreis
dieser  Mahlzeiten  beträgt  etwa  15  Ore,  aber  nur  selten  wird  von  den
Kindern  ein  Entgelt  in  der  Höhe  von  5  Ore  verlangt.  Eine  große  Zahl
dieser  gespeisten  Kinder  jedoch  erhält  die  Mahlzeiten  in  den  sogenannten
  Arbetsstugors,  eine  Art  von  Kinderhorten,  in  denen  die
Kinder  von  Eltern,  die  tagsüber  außer  Hause  beschäftigt  sind,  in  der
schulfreien  Zeit  zur  Erledigung  der  Schul=  und  bestimmter  anderer
praktischen  Arbeiten,  wie  Korbflechten,  Weben,  die  Mädchen  zum
Nähen  und  Schneidern  angehalten  werden.  In  Stockholm  scheinen  diese
Art  Kinderhorte  in  den  zwölf  Bezirken  der  Stadt  vollständig  für  die
Verköstigung  und  Beschäftigung  schlecht  ernährter  und  unbeaufsichtigter
Schulkinder  zu  genügen.  In  anderen  Städten  sind  außer  Arbetsstugors
die  erwähnten  Speisungsvereine  vorhanden.

Schlußbetrachtungen.

Die  Entartungsfrage  ist  im  wesentlichen  eine  Ernährungsfrage.  Zu
diesem  Ergebnisse  gelangte  die  englische  Erhebungskommission  über  die
Ursachen  des  Rückganges  der  Wehrkraft,  der  hohen  Säuglingsfterblichkeit
in  den  Armenvierteln,  der  körperlichen  und  geistigen  Entartungssymptome
bei  der  heranwachsenden  Jugend.  Wenn  auch  nicht  allzuviel  statistif
einwandfreies  Material  für  alle  Erscheinungen  erbracht  wurde,  so  do
so  viel,  daß  sich  überall  die  Uberzeugung  bildete,  es  müsse  systematis
nach  bestimmten  Gesichspunkten  von  seiten  des  Staates  eingegriffen  werden,
um  eine  Besserung  herbeizuführen.  Die  ürsachen  unzweckmäßiger  und
unzureichender  Ernährung  stecken  tief  in  den  sozialen  Verhältnissen,  vielfach
in  unseren  —  nur  wenig,  namentlich  für  die  Mädchen,  die  praktischen
Bedürfnisse  berücksichtigenden  —  Erziehungsmethoden.  Das  Ernährungsproblem
  ist  nicht  einfach  zu  lösen,  gerade  so  wenig  wie  die  soziale  Frage.
Daher  sollte  es  nach  den  Ansichten  der  englischen  Kommission  zuerst  an
einer  Stelle  angepackt  werden,  wo  es  in  seiner  Wirkung  für  die  Zukunft  und
Leistungsfähigkeit  der  Nation  am  bedeutungsvollsten  erscheint,  an  der
heranwachsenden  Jugend.  Hier  wurde  der  Zusammenhang  zwischen
Lehreffel,  körperlicher  Entwicklung  und  Ernährungszustand  der  Schuljugend
  von  allen  Seiten  bestätigt.  Die  Aufwendungen  des  Staates  für
die  Schule  mußten  für  die  Jugend  der  Armerviertel  der  englischen
Städte  nutzlos  bleiben,  wenn  nicht  zugleich  für  ausreichende  Ernährung
gesorgt  ist.  Aus  dem  Grunde  wurde  sofort  nach  Erscheinen  des  Berichts
  über  die  Entartungsfrage  von  der  Offentlichkeit  die  Einsetzung  einer
besonderen  Kommission  zum  Studium  der  Speisungsfrage  für  die
Elementarschüler  verlangt.  Die  bisherigen  freiwilligen  Veranstaltungen
zur  Milderung  der  Ernährungsnot  der  Schuljugend  hätten  nach  Ansicht
der  Speisungskommission  sehr  Ersprießliches  geleistet,  doch  um  die  unterernährten
  Kinder  fast  aller  größeren  Städte  zu  sättigen,  reichten  sie  weitaus
nicht  hin.  Der  Unterschied  zwischen  den  15  bis  30%  unterernährter
Schulkinder  in  einigen  Städten  und  den  2  bis  4%  von  freiwilligen