Schlußbetrachtungen.  123

ür  80  Städte  im  Winter,  für  45  im  Sommer  konnte  genauerer
Einblick  in  die  Art  der  einzelnen  Mahlzeiten  durch  unsere  Erhebun
verschafft  werden.  Die  einzelnen  Städte  verteilen  sich  nicht  etwa  au
einen  Bundesstaat  allein,  vielleicht  auf  Preußen,  sondern  gleichmäßig  über
das  gnze  Reich;  es  finden  sich  kleine  darunter  mit  nur  wenig  mehr  als
10  000  Einwohnern  bis  zur  Reichshauptstadt.  Die  Resultate  für  diese
leichmäßige  Mischung  verschiedener  Städte  können  daher  mit  vollem
echte  auf  die  Allgemeinheit  ausgedehnt  werden.  Die  Tatsache,  daß  den
Kindern  des  Morgens  zumeist  nicht  eine  kräftige  Suppe  oder  ein  Milchfrühstück
  verabreicht  wird,  sondern  daß  zu  alkaloidhaltigen  Produkten
wie  Tee,  Kakao  und  Kaffee,  dann  auch  zu  nahezu  wertlosem  Zichorienkaffee
  gegriffen  wird,  gewährt  uns  einen  Einblick,  wie  wenig  die  Mütter
darüber  informiert  sind,  was  den  Kindern  frommt,  wie  leicht  es  marktschreierischer
  Reklame  gelungen  ist,  gute  alte  Ernährungsgewohnheiten
nach  wenigen  Jahrzehnten  nahezu  auszurotten.  Wenn  es  weiter  auch
nur  0,6,  bezw.  19  der  Schulkinder  sind.  also  im  Winter  etwa  22000,
im  Sommer  36008  Kinder,  die  des  Morgens  überhaupt  kein  Frühstück
erhalten,  so  stoßen  wir  bei  der  Erforschung  der  Ursachen  hierfür  auch
auf  Übereilung  und  Hast  der  Kinder,  aber  vorwiegend  finden  wir
Armut,  Arbeitslosigkeit,  Krankheit  der  Eltern,  frühe  Beschäftigung
der  Mutter  außer  Hause,  aber  auch  Nachlässigkeit  derselben.  ür
den  Ausfall  des  Frühstücks  sind  also,  mit  Ausnahme  des  besonderen
Bustandes  der  Kinder,  Ursachen  vorhanden,  die  in  den  sozialen  Vertnissen
  liegen.  Viel  schlimmer  sieht  es  mit  dem  warmen  Mittagmahl
  aus.  4,9%,  das  sind  für  die  Gesamtzahl  aller  Schulkinder  in
den  Städten  mit  über  10000  Einwohnern  179000,  erhalten  im  Winter
des  Mittags  nur  einen  kärglichen  kalten  Imbiß,  im  Sommer  sind  es
nicht  viel  weniger  mit  3,1%  ,  das  sind  113000.  Die  Zahl  wäre  für
Winter  und  Sommer  größer,  wenn  nicht  im  Winter  2%  der  Schulkinder,
  das  sind  73000,  und  im  Sommer  1,1%,  daß  sind  rund  40  000,
durch  private  oder  öffentliche  Fürsorge  ein  warmes  Mahl  erhielten.
Auf  die  gesundheitlichen  Nachteile  des  Fehlens  eines  warmen  Mittagsmahls
  speziell  für  Schulkinder  ist  nachdrücklich  hingewiesen.  Der  größte
Teil  dieser  mittags  wohl  zumeist  mit  einer  kalten  Mahlzeit  bedachten
Schulkinder  bekommt  allerdings  als  Ersatz  des  Abends  ein  warmes
Essen.  Dieser  Ersatz  ist  für  den  Winter  fast  vollständig,  für  den  Sommer
jedoch  sind  es  etwa  50000  Kinder,  die  mittags  und  abends  nichts
Warmes  erhalten.  Dieser  Befund  ist  für  weitere  praktische  Maßnahmen
  von  großer  Bedeutung.  Neu  ist  auch  die  Wahrnehmung,  daß
sogar  des  Abends  im  Winter  etwa  15  000  und  im  Sommer  etwa
22000  Schulkinder  überhaupt  kein  Abendessen  erhalten  und  hungrig
zu  Bette  gehen  müssen,  eine  Erscheinung,  die  wohl  allein  auf  große
Armut  der  Eltern  zurückgeführt  werden  kann.  Dieselbe  Ursache  ist
allerdings  auch  für  die  Verabreichung  eines  kalten  Mittagessens  von  wesentlichem
  Einflusse,  da  die  Darbietung  eines  Stückchens  Brot  mit  minderwertiger
  Wurst  oder  Käse  doch  wesentlich  billiger  kommt  als  die  Bereitung
  eines  wenn  auch  einfachen  warmen  Mahles.  Aber  für  das  kalte
Mittagmahl  sind  noch  andere  Ursachen  zu  finden  gewesen.  Vor  allem
das  Wegbleiben  des  Vaters  vom  häuslichen  Herde  für  die  Mittagszeit,