I.  Die  Ernährungsverhältnisse  der  Volksschulkinder.  145

Tätigkeit  so  sehr  entwickelt  ist  und  es  in  der  Natur  derselben  liegt,  daß
sie  sich  nicht  nach  außen  vordrängt,  ließen  sich  durch  Umfrage  vielleicht
manche  treffliche  Kochrezepte,  manche  verborgene  vortreffliche  Gerichte
finden,  die  bekannt  zu  werden  verdienten.  An  die  Sammlung  solcher
ezepte  würde  man  die  Ausrechnung  nach  Nährwerten  anschließen,  um
für  die  Praxis  die  Zusammenstellung  rationeller  Kochordnungen  zu  erleichtern.
  Auch  die  Kostenfrage,  die  von  außerordentlicher  Bedeutung
ist,  könnte  man  dabei  in  Erörterung  ziehen,  und  es  ließen  sich  vielleicht
manche  der  Allgemeinheit  dienende  Winke  und  Weisungen  geben.

Für  Schulspeisun  en  müßten  nach  Art  der  Konsumvereine  Genossenschaften
  gebildet  werden,  die  durch  Einkaufim  großen  einerseits  die  Möglichkeit
  erhalten,  gute  Waren  zu  bekommen,  und  andererseits  die  Kosten  tunlichst
zu  reduzieren  gestatten.  Bei  den  vielen  kleinen  Schulspeiseanlagen  kommt
zweifellos  die  Verköstigung  viel  teuerer,  als  es  bei  Wareneinkauf  im
großen  sein  könnte.  Die  Kosten  der  Schulspeisung  werden  für  die  Verabreichung
  eines  Frühstücks  zu  7⅛½  Pfg.,  für  das  warme  Mittagessen
zu  12  Pfg.  angenommen,  Preise,  die  sich  bei  genossenschaftlichem  Einkaufe
  der  Waren  zweifellos  verringern  lassen  würden.  Auch  dürfte
das  Frühstück,  wenn  man  andere  Kombinationen  als  Weißbrot  und
Milch  zugrunde  legt,  noch  niedriger,  als  oben  angenommen,  zu  stehen
kommen.  Ein  Zwang,  auch  solchen  Kindern,  die  wenigstens  abends
ein  warmes  Essen  erhalten,  auch  mittags  dasselbe  zu  bieten,  liegt  nicht
vor.  Von  leistungsfähigen  Eltern  müßten  die  Kosten  der  Schulspeisung
ersetzt  werden.  Es  will  mir  scheinen,  daß  die  zu  errechnenden  Aufwendungen
  für  eine  geordnete  Schulspeisung  in  ganz  Deutschland  sich
in  mäßigen  Grenzen  bewegen  und  daß  nicht  der  geringste  Zweifel  obwalten
  kann,  daß  die  Behörden  bei  Berücksichtigung  der  angeführten
Einschränkungen  diese  Lasten  mit  Leichtigkeit  zu  übernehmen  in  der
Lage  sind.  Wenn  man  denkt,  welche  Summen  für  andere  sanitäre
Zwecke,  Wasserversorgung,  Kanalisation  u.  dgl.  aufgebracht  werden
müssen,  so  sind  die  für  die  Schulspeisung  nötigen  Summen  dagegen
verschwindend  klein.

Wenn  ich  vom  Standpunkte  der  Gesundheitspflege  unsere  Volksernährungsaufgaben
  betrachte,  so  fehlt  in  allen  bisherigen  Betrachtungen
  ein  fhr  wichtiges  Glied;  in  den  letzten  Jahren  der  Volksschulzeit
  beginnt  ein  wichtiger  Vorgang  im  Körper.  Das  Wachstum
setzt  mit  erneuter  Kraft  ein.  Im  zwölften  Lebensjahre  erreichen
Knaben  und  Mädchen  das  gleiche  Körpergewicht,  dann  hebt  sich
bei  Knaben  die  stärkere  Ausbildung  des  Körpers  ganz  gewaltig;  im
sechzehnten  Jahre  hat  ein  Knabe  doppelt  soviel  Gewichtszuwachs  wie
das  Mädchen.  In  das  vierzehnte  bis  sechzehnte  Jahr  fällt  bei  Knaben
die  Zeit  der  Pubertät,  bei  Mädchen  in  das  dreizehnte  bis  vierzehnte
Jahr,  die  mächtigste  innere  Ausgestaltung  des  Organismus.  Dies  ist
die  wichtigste  Zeit  der  menschlichen  Entwickelung,  für  die  naturgemäß
eine  zureichende  Ernährung  besonders  ausschlaggebend  sein  muß.  Leider
sind  die  Mittel,  auch  der  schulentlassenen  Jugend  in  dieser  wichtigen
Entwickelungszeit  schützend  zur  Seite  zu  stehen,  sehr  gering,  es  wird
sich  verlohnen,  vom  Standpunkte  sozialer  Fürsorge  auch  die  hier  angedeuteten
  Fragen  in  den  Kreis  der  Erörterung  zu  ziehen.  Damit  habe