II.  Diskussion.  151

7.  Auch  in  den  Ferienmonaten  ist  es  erwünscht,  daß  die  Schulkinderspeisung
  ermöglicht  wird,  soweit  nicht  andere  Wohlfahrtseinrichtungen
(Ferienkolonien)  Ersatz  für  die  Schülerspeisungsanstalten  bieten.

8.  Die  ernährungstechnische  Seite  der  Schulkinderspeisung  sollte  durch
eingehende  Bearbeitung  der  bisherigen  Erfahrungen  auf  dem  Gebiete
der  Schülerspeisung  (Kostordnung,  Speiseregeln,  Nährwerte,  Kontrolle
der  Kinder  durch  Wägung  usw.)  weiter  ausgebaut  werden.

9.  Für  die  zukünftige  Bearbeitung  des  Gebietes  der  Volksernährung
ist  die  Frage  der  Ernährung  der  vorschulpflichtigen  und  schulentlassenen
Jugend  ins  Auge  zu  fassen.

10.  Die  Schulkinderernährung  ist  ein  Teil  der  Volksernährung,  alle
Maßnahmen  der  letzteren  hierbei  kommen  ersterer  zugute.  Man  darf
erwarten,  daß  die  Verwirklichung  der  Vorschläge  der  Zentralstelle  hinsichtlich
  der  hauswirtschaftlichen  Unterweisung  der  gesamten  weiblichen
Jugend  mit  der  Zeit  auf  die  Übelstände  der  Schulkinderernährung
mildernd  einwirkt.

Im  Anschluß  an  diese  Leitsätze  seien  noch  besondere  Vorschläge  zur
Hehung  ger  Ernährungsverhältnisse  in  kinderreichen  Arbeiterfamilien
angeführt:

a)  Erziehungsbeiträge,  bezw.  Ernährungsbeiträge  seitens  der  Kommunen
auf  Grund  physiologisch  berechneter  Ernährungsminima.

b)  Erhöhung  des  Krankengeldes  für  Familienväter  zum  vollen  Tageslohn
  in  Geld  oder  Naturalien.

e)  Ausgestaltung  der  Organisation  des  7  und  Wochenpflegewesens
  seitens  der  Kommunen  und  Krankenkassen  mit  Unterstützung  der
Invalidenversicherungsanstalten.

d)  Billige  Abgabe  von  Naturalien  durch  städtische  Markt=  und  Verkaufshallen
  an  unterstützungsbedürftige  kinderreiche  Familien.

e)  Ausgestaltung  des  Volksküchenwesens  von  seiten  der  Städte  und
privater  Organisationen.

k)  Einführung  der  Familienversicherung  bei  allen  Orts-,  Betriebsund
  Knappschaftskrankenkassen  mit  gleichmäßiger  Verteilung  der  hierdurch
  entstehenden  Lasten  auf  alle  Kassenmitglieder  und  Arbeitgeber.

¾  Besondere  Fürsorgeeinrichtungen  zur  Verhütung  drohender  Unterernährung
  von  Kindern  in  Zeiten  der  Arbeitslosigkeit  von  seiten  der
Kommunen  und  Versicherungsorganisationen.

II.  Diskussion.

Direktor  Delitsch,  Plauen:

ochansehnliche  Versammlung!  Gestatten  Sie  ein  kurzes  Wort  aus
der  Hilfsschulpraxis.

ir  haben  gehört,  welche  Bedeutung  die  Ernährung  des  Schulkindes
für  das  Leben  des  Kindes  und  für  das  Wohl  des  Volkes  hat,  und  ich
kann  als  Direktor  einer  Hilfsschule  für  schwachbegabte  Kinder,  der  ich
schon  seit  1893  vorstehe,  nur  bestätigen,  daß  die  Unterernährung  die
binder  sehr  häufig  auch  minderwertig  macht,  sogar  in  die  Hilssschule

ringt.
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