160  Bürgermeister  Dr.  Wewers.

sich  hat  und  auf  dem  außerordentlich  gern  gegeben  wird.  Davon
freilich  werden  wir  absehen  müssen,  für  eine  derartig  große  Aufgabe
die  Städte,  insbesondere  die  Mittelstädte,  heranzuziehen,  denn  es  handelt
sich  hier  um  große  Mittel,  die  nötig  werden.  Nehmen  Sie  eine  Mittelstadt
  —  ich  darf  da  vielleicht  auf  die  Stadt,  die  ich  vertrete,  Worms,
hinweisen  —  von  etwa  50000  Einwohnern,  so  finden  Sie  in  einer
solchen  Stadt  etwa  7000  Schulkinder.  Die  Erfahrung  lehrt,  daß  von
diesen  7000  Schulkindern  10  0%,  also  jährlich  etwa  700,  der  Erholungspflege
  bedürfen,  und  diese  700  Kinder  verlangen  in  der  Erholungspflege
im  eigenen  Heim  einen  Aufwand  von  etwa  20000  K  jährlich.  Das
kann  man  natürlich  ohne  weiteres  den  Mittelstädten,  die  meist  noch
dringendere  und  näherliegende  Aufgaben  zu  erfüllen  haben,  nicht  aufbürden.
  Es  müssen  deswegen  andere  organisatorische  Maßnahmen  getroffen
  werden,  die  die  Aufbringung  so  großer  Summen  ermöglichen.

Meine  Herren,  die  Einrichtung  der  Ferienkolonien  ist  ungenügend.
Die  Entsendung  in  Ferienkolonien  kann  nur  in  den  Ferien  stattfinden;
die  Räume,  in  die  die  Kinder  gebracht  werden,  sind  meist  sehr  mangelhaft;
  die  Kost  vielfach  nicht  zweckentsprechend.  Soll  daher  die  Erholungspflege
  eine  ideale  sein,  so  wird  man  unter  allen  Umständen
dazu  greifen  müssen,  ein  eigenes  Heim  zu  bauen.  Aber  ein  solches
eigenes  Heim  wird  immer  einen  Aufwand  von  über  100000  K  verursachen.
  Woher  soll  man  nun  die  hohen  Bau=  und  Betriebsmittel
nehmen?

Meine  Damen  und  Herren,  gestatten  Sie  mir,  Ihnen  mitzuteilen,
wie  es  uns  in  Worms  gelungen  ist,  diese  Bau=  und  Betriebsmittel  aufzubringen,
  ohne  daß  wir  die  städtischen  Mittel  in  größerem  Umfange
in  Anspruch  nehmen  mußten.

Wir  glaubten  zunächst  auch,  durch  eine  Beteiligung  der  Landesversicherungsanstalt
  unsern  Zweck  erreichen  zu  können,  mußten  aber
leider  die  Erfahrung  machen,  daß  diese  Anstalten,  fo  gerne  sie  auch
wollen,  doch  zu  Zuschüssen  gesetzlich  nicht  berechtigt  sind,  da  sie  nur
für  die  Versicherten,  nicht  aber  für  die  nicht  versicherten  Kinder  der

ersicherten  ihre  Mittel  bereitstellen  dürfen.  Es  ist  betrüblich,  zu  sehen,
daß  die  einzelnen  Landesversicherungsanstalten  für  die  Pflege  tuberkulös
  Erkrankter  viele  Tausende  ausgeben  müssen,  während  sie  hier,
wo  es  sich  um  eins  der  besten  Vorbeugungsmittel  handelt,  völlig  unfähig
  sind,  zu  geben.  ·

Immerhin  ist  doch  ein  Ausweg  möglich.  Dürfen  die  Versicherungsanstalten
  auch  keine  direkten  Zuschüsse  leisten,  so  sind  sie  doch  in  dem
Zinsfuß,  zu  dem  sie  ihre  Gelder  darleihen,  unbeschränkt.  Lassen  sie
daher  eine  ins  Auge  fallende  Verbilligung  des  Zinsfußes  eintreten,  so
beteiligen  sie  sich  dadurch  immerhin  in  einer  dankenswerten,  wenn  auch
nicht  in  der  ihrem  großen  Interesse  zur  Sache  entsprechenden  Weise  an
dem  gemeinnützigen  Unternehmen.

Die  Landesversicherungsanstalt  unseres  Großherzogtums  hat  sich
bereit  erklärt,  unter  Bürgschaft  der  Stadt  Worms  das  ganze  Baukapital
  zum  Zinsfuß  von  3  00  darzuleihen;  wir  haben  dieses  Anerbieten
dankbar  angenommen  und  kamen  dadurch  in  die  Lage,  unser  eigenes
Vermögen  in  Höhe  von  etwa  50000  A  anderweitig  anzulegen,  wobei