II.  Diskussion.  161

wir  einen  wesentlich  höheren  Zinsfuß  erreichten.  Die  Erträgnisse
unseres  Vermögens  in  Höhe  von  50000  K  decken  jetzt  die  Zinsen  eines
Kapitals  von  85000  K,  also  eines  wesentlichen  Teils  der  Baukosten.

Meine  Damen  und  Herren,  das  Vermögen  von  rund  50000  M,
von  dem  ich  gesprochen  habe,  war  vor  drei  Jahren  noch  nicht  vorhanden,
  wir  hatten  damals  noch  gar  nichts.  Es  ist  uns  aber  geglückt,
ehr  schnell  zu  Geld  zu  kommen,  und  zwar  haben  uns  hierbei  hauptsächlich
  die  Kinderhilfstage  geholfen.  Der  letzte  Kinderhilfstag,  der  in
Worms  vor  einem  Jahre  etwa  stattfand,  brachte  uns  auf  einmal
18000  K  ein.  Sie  sehen,  welche  ungeheuren  Mittel  für  die  Arbeit
gust  diesem  Felde  bereit  liegen  und  wie  die  Schätze  nur  der  Hebung

edürfen.

Ebenso  gelang  es  uns  auch,  die  jährlichen  Betriebsmittel  in  Höhe
von  20000  .K  sicher  zu  stellen.  Wir  wandten  uns  an  alle  diejenigen
Farboren,  die  ein  Interesse  an  einer  gesunden  Arbeiterbevölkerung  haben.

a  waren  es  zunächst  unsere  drei  Großindustriellen,  die  —  von  uns
angegangen  —  sich  sofort  bereit  erklärten,  dem  Verein  alle  Kosten  zu
ersetzen,  die  er  für  Kinder  ihrer  Arbeiter  aufwenden  würde.  Es  waren
etwa  4000  bis  5000  .A,  die  auf  diese  Weise  seitens  dreier  Werke  sichergestellt
  waren.  Dann  wurden  Verhandlungen  angeknüpft  mit  der  Ortskrankenkasse
  und  den  Betriebskrankenkassen,  die  man  darauf  hinwies,
daß  vor  allen  Dingen  14  ein  lebhaftes  Interesse  an  einer  gesunden
Arbeiterschaft  hätten,  daß  eine  gesunde  Arbeiterschaft  mehr  Beiträge  einbrächte
  und  weniger  Krankengeld  beanspruche.  Die  Orts=  und  Betriebskrankenkassen
  waren  auch  für  diese  Vorstellungen  zugänglich  und  erklärten,
  einen  Beitrag  von  60  Pf.  pro  Tag  und  Kind  zahlen  zu  wollen.
Man  rechnet  für  ein  Kind  in  einem  eigenen  Erholungsheime  an  tägsichen
  Kosten  etwa  1,10  K.  Es  blieben  also  noch  50  Pf.  von  den  täglichen
  Kosten  zu  decken,  und  auch  hier  zeitigte  wieder  eine  in  Szene
gesetzte  große  Bewegung  einen  schönen  Erfolg.  Es  wurde  bei  sämtlichen
Arbeitgebern,  deren  Arbeiter  Kinder  in  der  Schule  hatten,  angefragt,  ob
sie  sich  verflichteten,  den  Rest  von  50  Pf.  täglich,  das  wäre  für  eine
Kur  ungefähr  15  M,  zu  ersetzen.  Und  auch  hier  wieder  fanden  wir
ohne  irgend  welche  Schwierigkeit  allseitige  Zustimmung.

Wir  kamen  dann  weiter  zu  denjenigen  Kindern,  die  den  ärmsten
Verhältnissen  entstammen,  wo  Vater  oder  Mutter  nicht  vorhanden  oder
nicht  erwerbsfähig  waren  und  wo  die  völlige  Unmöglichkeit,  die  Kosten
einer  Kur  zu  bestreiten,  auf  der  Hand  lag.  Nun,  meine  Damen  und
Herren,  da  mußte  denn  die  Armenverwaltung  einspringen,  und  sie  tat
dies  auch  gern  und  aus  richtiger  Erkenntnis  ihrer  eignen  Interessen
heraus.  Denn  es  ist  besser,  dem  Kinde  in  der  Jugend  zu  helfen,  als
später  für  den  Erwachsenen  Krankenhauskosten  und  Unterstützungen  zu
zahlen.  Unsere  Armenverwaltung  deckt  also  —  übrigens  entsprechend
einer  Entscheidung  des  Bundesamtes  für  das  Heimatwesen  —  alle  Er-Lolungseften
  für  solche  Kinder,  die  unter  das  Unterstützungswohnsitzgesetz
  fallen.

Meine  Damen  und  Herren!  Auf  diese  Weise  haben  wir  die
Betriebsmittel  von  20  000  .K  jährlich  zusammengebracht  und  wir  gehen
nun  daran,  das  große  Erholungsheim  für  etwa  700  Kinder  in  der