II.  Diskussion.  167

und  die  in  Verhältnissen  leben,  die  es  den  Eltern  nicht  möglich
machen,  ihnen  die  Speisung  zu  gewähren.  Aber  wir  werden  diese
Speisung  verabfolgen  lassen  müssen  in  der  Volksküche,  in  Kindervolksküchen,
  die  man  in  manchen  Orten  ja  auch  schon  hat,  nicht  in  der
Schule.  Ich  glaube,  gerade  die  Schule  hat  ein  großes  Gewicht  darauf
zu  legen,  immer  wieder  zu  betonen,  daß  sie  in  erster  Linie  dazu  da  ist,
den  die  Schule  besuchenden  Kindern  die  notwendigen  Kenntnisse  zu  vermitteln.
  Selbstverständlich  hat  sie  auch  zu  erziehen,  soweit  das  mit  dem
Rahmen  ihrer  anderen  Tätigkeit  übereinstimmt,  aber  sie  kann  nicht
alles  machen.  Das  Elternhaus  wird  immer  die  Hauptstätte  der  Erziehung
  bleiben  müssen,  und  nur,  wo  das  Elternhaus  das  nicht  leisten
kann,  muß  die  Allgemeinheit  eintreten.  Es  ist  auch  für  die  Schüler
und  Schülerinnen  gut,  wenn  sie  während  der  freien  Zeit  nicht  immer
und  immer  wieder  an  das  Schulhaus  gebunden  sind.  Es  läßt  sich  auch
die  Beaufsichtigung  und  die  Speisung  während  der  Ferien  besser  als  in
der  Schule  in  den  zu  diesem  weke  errichteten  Volksküchen,  in  den
Kindervolksküchen  machen.  Speisung  in  der  Schule  wird  außerdem  noch
weit  höhere,  ganz  unerschwingliche  Kosten  verursachen,  da  wir  schließlich
dazu  kommen  müßten,  für  jede  Klasse  auch  einen  besonderen  Speisesaal
  zu  erbauen,  was  bei  den  hygienischen  Anforderungen,  die  heute
an  die  Schulhäuser  gestellt  werden,  ganz  enorme  Kosten  verursachen
würde.

Also  Speisung  in  weitestem  Umfange,  so  weit  es  nötig  ist,  und  zwar
unentgeltlich  an  alle  diejenigen  Kinder,  die  arm  sind  und  denen  die
Eltern  das  Mittagessen  nicht  gewähren  können.  Aber  keine  Verbindung
  mit  der  Schulel  das  ist  der  Grundsatz,  den  ich  in  den
Vordergrund  stellen  und  betonen  möchte.

Im  übrigen  aber,  hochgeehrte  Damen  und  Herren,  bin  auch  ich  der
Meinung,  daß  diese  Aufgabe,  die  wir  zu  ersüllen  haben,  eine  ganz
außerordentlich  wichtige  ist.  Ich  bitte  Sie,  alle  zusammen  zu  arbeiten
an  der  Durchführung  derselben;  es  gilt  der  Zukunft  unseres  Volkes.

Referent  Universitätsprofessor  Geheimer  Medizinalrat  Dr.  Max
Rubner,  Berlin.

Meine  Damen  und  Herren!  Ich  habe  eigentlich  nur  wenige  Bemerkungen
  anzufügen  und  will  Sie  nicht  mehr  lange  aufhalten,  denn  im
großen  und  ganzen  hat  sich  ja  bei  dieser  Diskussion,  die  nur  eine  allemeine

  sein  sollte,  eine  große  und  erfreuliche  Übereinstimmung  nach  jeder

ichtung  hin  gezeigt.  Das  Programm  aller,  die  hier  gesprochen  haben,
war:  Sorgt  für  die  Kinder,  und  manche  haben  ja,  obwohl  wir  erst  bei
der  Schulspeisung  sind,  schon  etwas  frühzeitig  mit  dieser  Sorge  für  die
kranken  Kinder  angefangen,  denn  es  ist  auch  die  Frage  der  Rachitis,  der
englischen  Krankheit,  hier  angeschnitten  worden.  Die  Rachitis  ist  nun
eine  Krankheit,  die  sehr  frühzeitig  einsetzt,  im  ersten  und  zweiten  Lebensjahre
  schon,  wo  wir  von  dem  Standpunkte,  den  wir  hier  zu  verfechten
  haben,  noch  gar  keinen  Einfluß  darauf  ausüben  können.  Ein
Hauptgrund,  warum  auf  diesem  Gebiete  soviel  vernachlässigt  wird,  ist
der,  daß  die  Mütter  nicht  wissen,  wann  ein  Kind  rachitisch  wird,  so  daß

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