168  Geh.  Medizinalrat  Prof.  Dr.  Max  Rubner.

eine  Volksbelehrung  durchaus  am  Platze  ist.  Tatsächlich  haben  viele
Mütter  den  Glauben,  diese  Krankheit  sei  nicht  zu  heilen.  Also  auf
diesem  Gebiete  kann  man  in  der  Tat  noch  sehr  viel  tun.

Wenn  wir  bei  der  Schulspeisung  selbst  bleiben,  so  ist  gesagt  worden,
die  Übelstände  seien  nicht  bekannt.  Sie  sind  natürlich  außerordentlich
lange  bekannt.  Denken  Sie  nur  an  die  Schulspeisungsanstalten,  die
auf  viele  Jahrzehnte  zurückgehen.  Es  war  eine  der  ersten  Aufgaben
der  Volksschule,  nebenbei  die  Kinder  zu  speisen;  über  130  Jahre  zurück
kann  man  die  ersten  Anfänge  hierzu  verfolgen.  Also  die  übelstände
sind  immer  in  gewissem  Maße  vorhanden  gewesen,  sie  liegen  ls!]]
nur  jetzt  in  konkreten  Zahlen  vor,  und  das  ist  ja  sehr  gut,  daß  das
einen  tieferen  Eindruck  macht,  und  daß  nun  vielleicht  größere  Kreise
aufgemuntert  werden,  an  diesen  Bestrebungen  teilzunehmen.

Gewiß  ist  es  richtig,  daß  auch  die  Mütter  an  den  übelständen  schuld

stno,  Wir  haben  im  vorigen  Jahre  in  der  Zentralstelle  eingehend
arüber  beraten  und  auch  die  Abhilfe  vorgeschlagen,  indem  wir  sagten,
daß  die  Frauen  vor  allem  für  ihren  Beruf  als  Mütter  und  Hausfrauen
  erzogen  werden  müssen,  und  diese  Dinge  sind  in  einem  ausführlichen
  Berichte  niedergelegt.  Ich  glaube,  wenn  wir  einmal  die  Folgen
dieser  Einrichtung  der  Haushaltungsschulen  praktisch  vor  uns  sehen,
dann  wird  auch  vieles  von  den  Übelständen,  über  die  wir  heute  zu
klagen  haben,  beseitigt  sein.  In  den  Haushaltungsunterricht  gehört
auch  die  Kinderpflege  hinein.  Die  Familie  muß  so  erzogen  werden,
daß  sie  weiß,  was  sie  mit  den  kleinen  Kindern  anzufangen  hat.

Die  Schulspeisung  ist  also  im  allgemeinen  als  notwendig  anerkannt
worden.  Darüber  ist  kein  Zweifel.  Zweifel  bestehen  nur  über  die
Ausdehnung,  Bedenken  wegen  der  Schwierigkeiten  der  Kontrolle,  wegen
der  Verhütung  des  Mißbrauchs  usw.  Darüber  werden  wir  heute  in
dieser  Diskussion  zu  keinem  endgültigen  Beschlusse  kommen.

Dann  hat  es  geheißen,  die  Verbindung  mit  den  Kinderhorten,  die
uns  sehr  am  Herzen  liegt,  sei  nicht  wohl  möglich  oder  sehr  schwierig.
Ich  möchte  nicht  glauben,  daß  eine  solche  Ausdehnung  der  Kinderhorte
nicht  möglich  sei.  Wir  haben  ungefähr  460  bei  30  000  Kindern,  die
schon  verpflegt  werden,  und  drei  Viertel  davon  werden  gespeist.  Also
ich  denke,  das  ist  eine  Basis,  auf  der  man  weiter  gehen  kann.

Dann  sagt  man,  die  Schulspeisung  ist  nicht  so  notwendig  wie  die
Erholungsstätten,  die  den  Kindern  gute  Luft  bieten.  Ja,  meine
Herren,  da  müssen  wir  zwei  Dinge  auseinanderhalten,  die  grundverschieden
  sind.  Einmal  die  nervösen  Einflüsse,  die  auf  das  Kind
ausgeübt  werden  durch  die  Wohnung  und  durch  Überarbeitung.  Gegen
diese  Schäden  sind  Erholungsstätten  sehr  wichtig.  Diese  spielen  bei
den  Volksschulkindern  eine  nicht  unwesentliche  Rolle.  Aber  die  gute
Luft  kann  natürlich  gar  nichts  machen,  wenn  übelstände  in  der
Ernährung  vorhanden  sind.  Wenn  sie  ein  Kind  in  den  Wald  setzen
und  ihm  nicht  zu  essen  geben,  verhungert  es,  wie  zu  Hause  auch.  .7
nächst  muß  die  vegetative  Grundlage  für  die  Ernährung  vorhanden
sein,  dann  setzt  das  Kind  erst  an,  dann  nimmt  es  zu,  die  Blutbildung
steigt  usw.  Also  die  Ernährung  muß  vorangehen.  Die  Hauptlücken,