Kapitel  Il.
Urgeschichte  der  deutschen  Sprache.

.  Die  indogermanische  Grundsprache.

Wie  der  Anfang  der  Sprache  überhaupt,  so  ist
auch  die  Urzeit  unserer  Muttersprache  in  tiefes
Dunkel  gehüllt.  Die  vergleichende  Sprachforschung
führt  uns  zwar  viele  Jahrtausende  zurück  und  lässt  uns
einen  Blick  werfen  in  eine  ferne  Zeit,  wo  unser  Volk
noch  vereint  mit  sprach-  und  vielleicht  auch  staınmverwandten
  Völkern  ein  allen  gemeinsames  Idiom
redete,  aber  der  Beginn  dieser  indogermanischen
Grundsprache  ist  damit  noch  lange  nicht  erreicht.
Im  Gegenteil!  Sie  steht  schon  auf  der  Höhe  einer
in  Wortformen,  Flexion  und  Betonung  reich  ausgebildeten
  Sprache;  auch  die  Anfänge  eines  gegliederten
  Satzbaus  lassen  sich  in  ihr  nachweisen.

Zum  indogermanischen  (auch  indoeuropäischen
oder  arischen)Sprachstammgehöreninäsien  die  Inder,
Perser  und  Armenier;  in  Europa  die  slavischen
Völker  (Russen,  Polen,  Tschechen,  Bulgaren,
Serben,  Litauer  u.  s.  w.),  die  Griechen,  die  Albanesen,
  die  Italiener,  Spanier,  Portugiesen,  Franzosen
  und  Rumänen  (die  Sprachen  dieser  Völker

als  Tochtersprachen  des  Lateinischen),  die  Ueber-.

Feist,  Die  deutsche  Sprache.  ı

Indogermanen.
