nicht  mehr  unbekannt  war.  Die  Kenntnis  des  Haus-Baus
  und  die  Verwendung  von  Kleidern  ist  nachzuweisen,
  Fleisch-  und  Pflanzennahrung  ist  gleichmässig
  vertreten.  Schon  wurde  das  Jahr  in  Monate
eingeteilt,  und  ein  höchstes  Wesen  wohl  als  „Lichtgott“
  (No.6  in  derListe)  verehrt.  Als  sich  unsere
germanischen  Urväter  von  dem  indogerm.  Stammvolk
trennten,  nahmen  sie  daher  einen  grossen  Vorrat  an
sprachlichem  Gut  und  eine  nicht  unbedeutende  Kultur
auf  ihre  Wanderung  und  in  ihre  neuen  Wohnsitze  mit.

S  2.
Die  urgermanische  Sprache.

Nachdem  sich  die  germanischen  Stämme  von
dem  indogermanischen  Urvolk  losgelöst  hatten,
bildeten  sie  noch  lange  Zeit  eine  sprachliche  Einheit,
  die  man  als  die  urgermanische  Periode  zu
bezeichnen  pflegt.  Diese  Annahme  rechtfertigt  sich
durch  den  Umstand,  dass  sämtliche  germanischen
'  Dialekte  gemeinsame  Aenderungen  erlitten  haben,
die  sie  scharf  von  der  indogermanischen  Grundsprache
  und  ihren  indogermanischen  Schwestersprachen
  unterscheiden.  Die  augenfälligste  dieser
Veränderungen  ist  die  von  dem  berühmten  Germanisten
  Jakob  Grimm  (geb.  1786  in  Hanau,  gest.
1863  zu  Berlin),  dem  Begründer  der  deutschen
Sprachwissenschaft,  sogenannte  (erste)  Lautver-  Lautverschiebung.
  Diese  Erscheinung  betrifft  die  indo-  schiebung.
germanischen  Konsonanten  und  zwar:

ı.  die  tonlosen  Verschlusslaute  p,  t,  k,
2.  die  tönenden  Verschlusslaute  b,  d,  g,
3.  die  tönenden  Hauchlaute  bh,  dh,  gh,
4.  die  tonlosen  Hauchlaute  ph,  th,  kh.