--  12  '—

die  eigentliche  Ursache  des  sog.  Ablauts  zu  suchen
ist,  indem  die  unbetonte  Silbe  auch  die  schwächere
Vokalstufe  erhielt,  ging  das  Germanische  schon  in
früher  Zeit  zu  dem  System  der  Stammbetonung  oder,
was  meist  dasselbe  besagen  will,  der  Betonung  der
ersten  Silbe  über  (abgesehen  von  verbalen  Partikeln,
$  10).  Die  Aenderung  tritt  aber  erst  nach  dem  Inkrafttreten
  der  Lautverschiebung  eir,  wie  der  dänische
Gelehrte  K.  Verner  (1875)  scharfsinnig  nachgewiesen
  hat.  Er  zeigte,  dass  inlautende  tonlose  Verschlusslaute,
  die  regelmässig  zu  tonlosen  Reibelauten
werden  (s.  oben  S.  8),  sich  zu:  tönenden  (Reibe-"und
  dann)  Verschlusslauten  wandeln,  wenn  der  indogerm.
  Akzent  nicht  die  unmittelbar  vorhergehende
Silbe,  sondern  eine  folgende  oder  vorangehende
Silbetraf.  So  ergibt  indogerm.  bhrät:  (r)  regelmässig
got.  bröthar  „Bruder“,  aber  indogerm.  patö(r)  got.
jadar  ‚Vater‘;  indogerm.  sep(t)m,  ind.  saptä,  griech.
hepta  deutsch  szeben.  Im  gleichen  Falle  wurde
indogerm.  s  zu  tönendem  Z  (franz.  Ausprache)  im
Gotischen,  dann  zu  rin  den  übrigen  germ.Dialekten:
ind.  äyas,  lat.  aes  got.  aiz,  althochd.  er  „Erz“.
Auf  den  Wechsel  zwischen  Stamm-  und  Endbetonung
im  Indogerm.  gehen  zahlreiche  Doppelformen  desselben
  Stammes  im  Germanischen  zurück,  z.B.  ich  wa°
gegenüber  gewesen;  der  Hof,  aber  hübsch  (eig.
höfisch);  das  Zeichen,  aber  zeigen;  engl.  hare
deutsch  Zase  u.s.w.  (Siehe  darüber  auch  $  8  unter
„grammatischer  Wechsel“.)

Das  Zurücktreten  des  Akzents  auf  die  Stammsilbe,
  eine  Erscheinung,  die  um  Christi  Geburt  schon
nachweisbar  ist,  hat  für  die  germanischen  Dialekte  ihre
Wirkungen  in  den  folgenden  Jahrhunderten  geltend
gemacht.  Während  im  ältesten  Germanisch,  das  uns