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rechnet  man  von  den  uns  noch  bekannten  Sprachen

das  Nordische  (heute  Dänisch,  Norwegisch  und
Schwedisch)  und  das  Gotische;  zur  letzteren  das
Hochdeutsche,  Niederdeutsche,  Friesische  und
Englische;  bei  dieser  Einteilung  sehen  wir  also

von  den  llterarisch  nicht  mehr  vertretenen  germanischen

  Dialekten  ab  (vgl.$  ı,S.  2).  Charakteristische

Züge  für  das  Nordisch-Gotische  sind  die  Erhaltung  Ostgern.
des  Nominativ-s  :  got.  dags,  nord.  dagr  (r  aus  z)  Besondergegenüber
  althochd.  tac,  niederdeutsch  dag.  -  Ge-  eiten.
meinsam  ist  ferner  dem  Ostgermanischen  der  Verlust

  der  Verbalformen  „bin“  und  „tun“  und  viele
Einzelheiten  der  lautlichen  Entwicklung.  Aber  entsprechend
  den  Verhältnissen  in  der  indogerm.

Urzeit,  wo  näherer  Zusammenhang  zweier  Sprachen
Beziehungen  einer  derselben  zu  einer  dritten  keineswegs

  ausschloss,  bestehen  auchBerührungen  zwischen

dem  Nordischen  und  Westgermanischen,  wie  die
gemeinsame  Entwicklung  des  urgerm.  z  zu  r  gegen-  Nord-westüber
  got.  s  :  hochd.  m£r,  nord.  meirr  =  got.  maiza  ©  ehur  Be-„grösser‘5
  ferner  wird  indogerm.  got.  &amp;  im  nord.  RIEHHNBEN.
und  westgerm.  zu  &amp;  :  got.  slepan  =  nord.  slapa  =

deutsch  schlafen,  u.  a  m.  Doch  ist  nicht  zu  vergessen,

  dass  uns  keiner  von  allen  germ.  Dialekten

in  s0  früher  Ueberlieferung  wie  das  Gotische  (aus  der  Gotisch.
2.  Hälfte  des  4.  Jahrhunderts)  vorliegt,  und  dass  wir
(abgesehen  vom  sog.  Krimgotischen,  s.  S.  24)  kaum

eine  Nachricht  über  die  Weiterentwicklung  desselben
besitzen.  Deshalb  ist  nicht  ausgeschlossen,  dass  es

sich  im  Laufe  seiner  Entwicklung  auch  dem  Westgermanischen
  in  manchem  genähert  hätte.  Gerade

aber  die  frühe  literarische  Ueberlieferung  und  die
altertümliche  Stufe  des  Gotischen  machen  es  uns
unentbehrlich  zum  Verständnis  ‚der  übrigen  germ.