Die  got.
.  Schriftdenk
  mäler.

Gotisches
Alphabet.

Vokalismus
  des
Gotischen.

Konsonantismus.,


Altertünıliche
  Reste.

Dialekte.  Wenn  daher  das  Gotische  auch  in  keiner
direkten  Beziehung  zur  deutschen  Sprache  steht,
so  wollen  wir  es  doch  aus  dem  angeführten  Grunde
einer  kurzen  Betrachtung  würdigen.

Bischof  Ulfilas,  ein  Westgote,  der  von  311  —  383
n.  Chr.  lebte,  übersetzte  für  die  auf  der  Balkanhalbinsel
  ansässig  gewordenen  Goten  die  Bibel  in
die  Volkssprache.  Erhalten  sind  uns  von  dieser
Uebersetzung  durch  spätere  Abschriften  vornehmlich
  Teile  des  neuen  Testaments,  hauptsächlich  aus
den  Evangelien.  Zur  Niederschrift  seiner  Uebertragung
  schuf  sich  Ulfilas  ein  neues  Alphabet,  dessen
Grundlage  das  griech.  Alphabet  bildete;  er  fügte
ihm  Zeichen  aus  dem  lat.  Alphabet  und  dem  einheimischen
  Runenalphabet  hinzu.  Der  gotische  Vokalstand
  weist  gegenüber  dem  Gemeingermanischen
einige  Umbildungen  auf;  so  sind  e,  o  und  eu  zu
i,  u  und  iu  geworden;  vgl.  got.  gıban,  juk,  thiudisk
  mit  deutsch  geden,  Joch,  deutsch.  Nur  vor
r  und  h  bleiben  die  alten  e  und  o  Laufe  in  der
Schreibung  ai  und  au  erhalten;  vor  r  und  h  werden
auch  urgerm.  iund  uzuaiundau,,gebrochen“:  bairan
—-ahd.beran  „tragen“,  saihwan  ahd.  sehan  „sehen“,
haurn  =  ahd.  horn  „Horn“,  aber  auch  saühts  --ahd.
  suht  „Krankheit“.  Im  wesentlichen  unverändert
  blieben  die  urgerm.  Konsonanten,  nur  wurden
  tönende  Laute  am  Wortende  tonlos  :  giban
—  gaf  —  gebum  —  geben  —  gab  —  gaben;  got.
dags  =  urgerm.  dagaz  „Tag‘‘  u.s.w.  Das  Gotische
hat  manche  uralte  Flexionsformen  aus  der  indogerm.
Zeit  allein  von  allen  germ.  Dialekten  bewahrt:  das
Zeitwort  kennt  noch  Reste  einer  besondern  Passivform
  und  eine  Perfektreduplikation:  got.  haihalt  (ai
=  e)  „hielt“  zu  haltan  „halten‘‘  wie  lat.  peperci