Heldenlieder.


Hildebrandslied.


Geben  wir  zunächst  eine  kurze  Uebersicht  über
die  leider  nur  dürftigen  Ueberreste  der  althochcleutschen
  Dichtung.  Nach  den  Zeugnissen  römischer
und  kirchlicher  Schriftsteller  stand  sie  einst  in  hoher
Blüte;  alte  Ueberlieferungen  und  junge  Geschehnisse
wurden  gleichmässig  im  Gesang  verherrlicht.  Die
Taten  des  Arminius,  des  Befreiers  der  Deutschen
vom  Römerjoch,  wurden  Jahrzehnte  nach  seinem
Tode  noch  in  Heldenliedern  besungen;  an  dem
Hofe  des  Hunnenkönigs  Attila  (Etzel)  hallte  gotischer
Heldensang  wider;  zahlreich  waren  die  Gesellschaftsund
  Liebeslieder,  die  zur  Unterhaltung  der  Gäste
beim  Mahle  gesungen  wurden.  Aber  frühzeitig  musste
der  germanische  heidnische  Sang  dem  Bekehrungseifer
  und  der  Verfolgung  der  Geistlichkeit  zum  Opfer
fallen.  Weltliche  Lieder  zu  singen,  wurde  verpönt
und  mit  Strafen  belegt;  nur  kirchliche  Gesänge  sollten
auch  im  Munde  des  Volkes  ertönen.  Schwerlich
wird  es  je  gelungen  sein,  den  Volksgesang  zu
unterdrücken;  .  er  lebte  trotz  aller  Kirchenstrafen
fort,  aber  eines  haben  die  Verbote  doch  erreicht:
da  die  Mönche  in  jener  Zeit  die  einzigen  des
Schreibens  Kundigen  sind,  so  ist  uns  nichts  von
dem  alten  Heldensang  überliefert  worden.  Schon
Karl  der  Grosse  sah  das  Törichte  und  Volksfeindliche
  eines  solchen  Unterdrückungseifers  ein  und
liess  eine  Sammlung  der  noch  vorhandenen  Heldenlieder
  veranstalten;  es  ist  unbekannt,  wann  sie  zu
Grunde  ging;  vermutlich  vernichtete  unter  Karls
Nachfolgern  kirchlicher  Uebereifer  die  vorhandenen
Abschriften.  Durch  Zufall  ist  uns  aus  der  Zeit  um
800  ein  kleiner  Rest  altdeutschen  Heldengesangs
erhalten  geblieben:  ein  oberdeutscher  Mönch  schrieb,
wohl  in  Fulda,  aus  der  Erinnerung  (nach  Vorlage?)