$  7-Der

  althochdeutsche  Konsonanten-  und
Vokalbestand.

Wenn  wir  schon  öfter  von  der  Scheidung  des

deutschen  Sprachgebiets  in  Hoch-  und  Niederdeutsch

  gesprochen  und  deren  Grenze  bestimmt
haben,  so  haben  wir  nunmehr  nach  dem  Grunde
dieser  Trennung  zu  forschen  und  ihre  Ursachen
klarzulegen.  Als  die  deutschen  Stämme  nach  den
Unruhen  der  Völkerwanderung  angefangen  hatten,
sich  in  ihren  nunmehrigen  Gebieten  sesshaft  zu

machen,  da  geriet  bald  der  urgermanische  Konso-  Ahd.  Lautnantenbestand

  in  ÜO)berdeutschland  in  Bewegung;
die  Bewegung  griff  auch  nach  Mitteldeutschland
über,  um  nach  der  Grenze  des  Niederdeutschen
hin  allmählich  abflachend  zu  verschwinden.  Zum
Unterschied  aber  von  der  ersten  gemeingermanischen
  Lautverschiebung,  die  vor  dem  geschichtlichen
  Auftreten  der  Germanen  anzusetzen  ist,  verläuft
  die  zweite  oder  hochdeutsche  Verschiebung
in  der  Hauptsache  vor  unsern  Augen;  wir  verfolgen
sie  in  den,  wenn  auch  dürftigen,  aufeinander  folgenden
  Sprachquellen,  beginnend  etwa  um  das  Jahr
600.  Vollendet  ist  sie  im  wesentlichen  im  8.  Jahrhundert,
  bevor  die  ersten  literarischen  Denkmäler
auftauchen.  Nicht  bloss  der  Wortschatz  des  ererbten
  germanischen  Sprachguts  ist  daher  von  der
hochdeutschen  Lautverschiebung  betroffen  worden,
sondern  auch  die  bedeutende  Schicht  der  lateinischen
  Lehnwörter  ältester  Zeit.  Das  Westgermanische
  besass  nach  der  ersten  gemeingermanischen
l.autverschiebung  (s.  |  2,  S.  9)  und  einigen  beverschie-




Westgerm.
Konsonanten.
