kale  entstehen  aus  silbenbildendem  r,  I,  m,  n:  got.

fugls  —=  ahd.  fogal  „Vogel“,  got.  akrs  =  ahd.

ackar  „Acker“,  got.  taikns  —  ahd.  zeihhan  ‚‚Zeichen“,

  und  bei  schwersprechbaren  Konsonantenverbindungen
  Ih,  Ir,  Iw,  rw,  sw,  sm:  brosma,  später  brosama

  „Brosame‘“,  forhta  und  forahta  „Furcht“,  durh

und  duruh  ‚durch“.  Die  unbetonten  Vokale  der  Vokale  der
Vorsilben  unterliegen  gleichfalls  der  Schwächung:  V°rsilben.
got.  ga-  wird  ahd.  gi-:  got.  ganisan  —  ahd.  ginesan;

got.  us-  (aus  uz)  wird  ir-:  got.  uslaubjan  —  ahd.
irlouben;  got.  and-  wird  int-:  andhaitan  =  ahd.
intheizen  „verheissen‘“,  dagegen  Urlaub,  Antwort,

wo  die  Vorsilbe  den  Hauptton  trug  (vgl.  $  9).

Deklination  und  Konjugation  im  Althochdeutschen.


Wenn  auch  infolge  des  Verfalles  der  Endsilbenvokale
  ($  5,  S.  26)  und  mannigfacher,  schon
vorliterarischer  Angleichungen  die.  aus  dem  Indogermanischen
  überlieferten  Deklinationsklassen  im
Althochdeutschen  nur  noch  zum  kleineren  Teil
lebendig,  grösstenteils  aber  zerfallen  erscheinen,  so
ist  doch  gegenüber  unserer  heutigen  Sprache  das
Althochdeutsche  vor  etwa  tausend  Jahren  noch  als
reich  an  Deklinationsformen  zu  bezeichnen.  Erhalten
  waren  aus  der  Urzeit  die  drei  Geschlechter:
Männlich,  Weiblich  und  Sächlich;  von  den  drei
Numeri  allerdings  nur  Einzahl  und  Mehrzahl,  die
Zweizahl  (Dual)  ist  bis  auf  einen  Rest!  verschwunden;
  die  7  Fälle  des  Hauptworts,  die  wir  noch  im

'  Nämlich  unker  ‚unsrer  beider“,  bayr.  erk(er),  das  noch
heute  in  der  Mundart  lebendig  ist.