Gramınatischer

Wechsel.

gab.  Es  sind  weiz  ‚ich  weiss‘,  wizzum  „wir  wissen“;
  kan  „ich  kann‘,  kunnum  ‚wir  können“;  darf,
durfun;  skal,  „soll“  skulum;  mag,  mugun;  muoz
„ich  muss“,  muozun,  gi-tar,  -turrun,  „ich  wage“
und  noch  einige  mehr,  die  im  Neuhochdeutschen
verloren  sind.  Sie  bilden  ein  schwaches  Präteritum
  als  Neuschöpfung  des  Germanischen  :  wissa
„ich  wusste“,  konda  „ich  konnte‘,  dorfta  ‚ich  durfte“,
mohta  „ich  mochte‘,  muosa  „ich  musste‘,  gi-torsta
„ich  wagte“.  Ein  ursprünglicher  Optativ  (got.  wiljau)
war  willa  „ich  will“,  wellem&amp;s  ‚wir  wollen‘;  dazu
das  neugebildete  Präteritum  wolta  „ich  wollte“.

Während  sich  bei  der  Deklination  des  Hauptworts
  von  dem  ursprünglichen  Wechsel  des  indogermanischen
  Akzents  zwischen  Stammsilbe  und.
Endung  infolge  nachträglicher  Ausgleichung  der  dadurch
  bewirkten  verschiedenen  Gestaltung  des
Stammauslauts  kaum  Spuren  erhalten  haben,  ist  der
irrtümlicherweise  sog.  grammatische  Wechsel  bei
der  Beugung  des  Zeitworts  im  Althochdeutschen
noch  lebendig.  Hierin  erweist  es  sich  sogar  als
altertümlicher  wie  das  Gotische,  wo  er  fast  gänzlich
  beseitigt  is.  Es  wechseln  im  Stammauslaut
der  Zeitwörter  d  mit  t,  f  mit  b,  h  mit  g  (w)  und
ng,  smitr.  Die  erstgenannten  Konsonanten  stehen
in  den  ursprünglich  stammbetonten  Formen  (Präsens
  und  Singular  des  Präteritums),  die  letztgenannten
  in  den  ursprünglich  endungsbetonten  (im
Plural  des  Präteritums  und  im  Mittelwort  der  Vergangenheit).
  Beispiele:  findu  „ich  finde‘  :  fand  :
funtum  :  funtan;  heffen  „heben“  :  huobum  „hoben“:
auhu  „ziehe“  :  zöh  :  zugum  :  gizogan;,  kiusu  „kiese,
wähle‘  :  kös  „‚kor‘“  :kurum  :  gikoran  (vgl.  auch  oben
$  2,  S.  12).