Auch  bei  den  Verbalnomina  (Partizipien  und  Mittelwort.
Infinitiv)  macht  sich  die  Nachwirkung  des  indogernanischen
  Akzents  fühlbar.  Das  Mittelwort  der
segenwart,  das  im  Indogermanischen  konsonanischer
  -nt-Stamm  ist,  erscheint  im  Germanischen
nit  -nd-  und  tritt  in  die  i-Deklination  über:  lat.
‚;equens,  St.  sequent-  „folgend“  -=  got.  saihwands,
ıhd.  sehenti.  Die  indogerm.  Mittelworte  der
Vergangenheit  auf  -to  und  -no  finden  im
serm.  ihre  Fortsetzung  ;  jenes  kommt  den  abgeleieten
  Verben,  dieses  den  starken  Verben  zu:  lat.
aabitus  :  got.  habaiths,  gen.  habaidis  :  ahd.  gihayet;
  ferner  got.  saihwans  —  ahd.  gisehan.  In  ahd.
Zeit  ist  die  Vorsilbe  gi-  bei  diesem  Mittelwort
‚chon  ganz  die  Regel,  während  das  Gotische  sie
ıoch  nicht  kennt.  Von  den  zahlreichen  Infinitivormen
  der  Ursprache  hat  das  Germ.  nur  eine  be-  Infinitiv.
vahrt,  und  zwar  gerade  die  seltenste  auf  -ono-,
yerm.  -ana-  :  got.  itan  —  ahd.  ezzan.

Aber  trotzdem  das  Germanische  von  dem  fast
ibermässigen  Reichtum  der  Urzeit  an  Flexionsformen
ur  wenige  bewahrt  und  diese  einem  streng  geor«dıeten
  Systemzwang  unterworfen  hat,  so  sehen  wir
m  Kindesalter  unserer  Sprache  doch  beim  Hauptwort
  wie  beim  Zeitwort  noch  buntgefärbtes  Leben
us  alter  Zeit  hinübergerettet  in  das  Licht  der  Geschichte.
  Freilich  ist  das  Erhaltene  gering  genug
m  Verhältnis  zur  Mannigfaltigkeit  der  Formenbil-Jung
  in  der  indogerm.  Grundsprache,  aber  doch,
waren  die  Beugungsformen  des  Hauptworts  wie  des
Zeitworts  noch  so  charakteristisch  und  wurden  als
solche  von  dem  Sprachbewusstsein  des  Volks  empPfunden,
  dass  ihnen  die  Krücken  des  Geschlechtsund
  Fürworts  noch  ganz  entbehrlich  sind.  Indes