Idg.  o-,  i-,
u-Suffix.

—  ı6b  —

beginnt  schon  in  spätalthochdeutscher  Zeit,  wie
wir  gesehen  haben,  der  Verfall  der  Endungen  ..des
Zeitworts;  die  Endungen  des  Hauptworts  halten
sich  etwas  länger,  um  aber  freilich  dem  allgemeinnen
  Schicksal  aller  unbetonten  Silben,  der  Verkümmerung
  zu  e  oder  gänzlichem  Wegfail,  endlich
zu  erliegen.  Doch  hiervon  weiter  zu  sprechen,  '
können  wir  uns  für  ein  späteres  Kapitel  aufsparen,
wenn  wir  die  Beugungsformen  der  mittelhochdeutschen
  Zeit  betrachten.  ($  ıı  und  $  15.)

$  9.
Althochdeutsche  Wortbildung.

Wenn  wir  Wörter  wie  reden,  Redner,  bereden,
überreden,  Ueberredung  miteinander  vergleichen,  so
finden  wir  unschwer  zwei  verschiedenartige  Bestandteile
  heraus:  einen  Bestandteil,  der  allen  gemeinsam
  ist,  red,  der  Stamm  oder  Wurzel  genannt  wird,
und  ausserdem  die  Ableitungssilben  -ex,  -ner,  -ung
und  die  Vorsilben  Öde-,  äbder-.  Mit  solchen  Ableitungs-
  und  Vorsilben  bildete  schon  das  Indogermanische
  aus  den  Wurzeln  die  meisten  Redeteile:
Hauptwörter,  Eigenschaftswörter,.  Fürwörter,  Zeitwörter
  und  andere.  Aber  es  wurden  auch  Wörter
durch  Nebeneinanderstellung  zweier  gleichartiger
oder  verschiedenartiger  Bestandteile  gebildet:
Singsang,  Wirrwarr,  Grossvater  finden  schon  in  der
Urzeit  ihre  Vorbilder.

Von  den  kurzvokalischen  Suffixen,  mit  denen  das
Indogermanische  Hauptwörter  bildete,  ist  keines  im
Germanischen  lebenskräftig  geblieben  und  zwar  infolge
der  Auslautsgesetze,  die  im  Gotischen  die  Endungen
a  und  i,  im  Althochdeutschen  auch  noch  u  unter-