altind.  Adrsam  =  gr.  &amp;drakon  „ich  sah“  mit  Betonung
  der  Vorsilbe  e-  (im  Griechischen  Augment
genannt),  zur  Wurzel  derk  „sehen‘“.  Das  Indische,
Griechische  und  Slavische  zeigen  noch  in  historischer
Zeit,  mehrere  slavische  Sprachen  noch  bis  heute  diese
Freiheit  in  der  Lage  des  Haupttons;  das  Germanische
  hat  sie  in  früher  Zeit,  indes  erst  nach  dem
Auftreten  der  sog.  ersten  Lautverschiebung,  aufgegeben:
  in  geschichtlicher  Zeit  ist  in  allen  germanischen
  Sprachen  in  der  Regel  die  Stammsilbe,  d.h.
meist  die  erste  Silbe  des  Wortes,  Trägerin  des  Haupttons.
  Auch  der  indogermanische  Unterschied  zwischen
  gestossenem  und  schleifendem  Akzent  (Akut
und  Circumflex),  den  das  Griechische  und  das  Litauische
  bewahrt  haben,  ist  im  Germanischen  frühzeitig
  verloren  gegangen.  Dieser  Unterschied  war
ein  wesentlich  musikalischer,  d.  h.  die  Höhe  des
Tones  war  beim  Akut  gleichbleibend,  beim  Circumflex
  fallend  und  steigend;  selbstverständlich  fehlt
uns  bei  der  bloss  schriftlichen  Ueberlieferung  jede
Möglichkeit,  Genaueres  darüber  zu  ermitteln;  ebensowenig
  können  wir  Näheres  über  die  Melodik,  das
Steigen  und  Fallen  des  Tones,  im  Satzzusammenhang
  angeben.  Nur  über  die  wechselnde  Stärke
der  Satz-  und  Wortbetonung  sind  wir  durch  einen
glücklichen  Zufall  für  das  Althochdeutsche  unterrichtet,
  da  Otfried  in  seiner  Evangelienharmonie
($  6,  S.  33  f.)  teilweise  den  Wortakzent  angibt,  nämlich
an  den  hochbetonten  Stellen  in  seinen  Versen,  und
besonders  weil  Notker  sich  für  seine  Schriften  ein
eignes  Akzentuationssystem  geschaffen  hat,  das  den
Hauptton  der  selbständigen  Wörter  uns  kennzeichnet.
  Je  eine  Probe  aus  Otfried  und  Notker  möge
das  Gesagte  veranschaulichen:

Otfrieds
und
Notkers
Akzentbezeich-

