—  71  —

ist  die  Regel,  meist  fällt  Stammsilbe  und  erste  Wortsilbe
  zusammen:  Fäter  „Vater“,  chininga  „Könige“,
chömene  „gekommen“,  älla  „all“,  nördenän  ‚von
Norden“  u.  s.  w.  In  Zusammensetzungen  erhält  der
wichtigere  Bestandteil  den  Ton,  meist  ist  es  der
erste:  dägalich  ‚täglich‘,  himilrich  „Himmelreich‘“.
Präfixe  sind  teils  unbctont!:  geskäh  „geschah“,  biqu&amp;me
  „komme“,  begreif  „ergriff‘‘;  andere  tragen

den  Ton:  ündergieng  „entriss“.  Es  sind  die  vom

Verb  untrennbaren  Partikeln  er-,  ent-,  ob-,  ver-,  zer-,
bi-  im  Althochdeutschen  stets  unbetont;  schwankend
ist  der  Brauch  bei  duruh-,  hintar-,  umbi-,  ubar-,
untar-,  widar..  Beides  entspricht  dem  heutigen
Gebrauch:  erlauben,  entlässen,  vergessen,  zerteilen,
bereiten;  hinterlegen,  übersetzen,  aber  übersetzen  (über
einen  Fluss);  umgehen  (ein  Gesetz),  aber  zimgehen
(von  Geistern).  Die  Verteilung  ist  bei  den  letztgenannten
  Präfixen  schon  seit  altdeutscher  Zeit  derart,
  dass  bei  trennbarer  Zusammensetzung  das  Präfix
  betont  ist,  bei  untrennbarer  Zusammensetzung
aber  nicht.  Immer  unbetont  ist  bei  Verb  und  Nomen
  das  Präfix  ga-:  geskäh  „geschah“,  gabirgi
„(Grebirge‘.  Die  vom  Zeitwort  trennbaren  Partikeln
ab-,  an-,  nach-,  vor-,  auf-,  aus-,  ob-,  zu-  und  cinige
andere  sind,  wie  heute  noch,  stets  betont:  Ablassen,
inschen,  nächsenden,  vörrücken,  atfbrechen,  öbsiegen
u.s.  w.  Von  den  noch  selbständigen  Vorsilben  ist
voll-  unbetont:  ahd.  fulgängan,  nhd.  vollzichen;  bei
all-  schwankt  der  Gebrauch;  beim  Substantiv  ist  es
betont:  ‚Ilmacht,  beim  Adjektiv  unbetont:  allmächfig.
  Wenn  die  Präfixe,  über  deren  Verbindung  mit
Verben  wir  gesprochen  haben,  mit  Substantiven  verbunden
  sind,  so  tragen  sie  stets  den  'I’on:  alıd.  Antwurti
  „Iztwort“‘,  bispel  „Beispiel“,  ürteil  „Urteit,

Betonte
und
unbetonte
Präfixe.