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In  zusammengesetzten  Wörtern,  deren  zweiter
Bestandteil  früher  selbständig  war  oder  noch.  als
selbständiges  Wort  vorkommt,  trägt  dieser  natürlich
den  höchsten  Nebenton  und  zwar  an  der  Stelle,
wo  das  unabhängige  Wort  den  Hauptton  gehabt
hätte.  Es  wird  also  betont  ahd.  kuönheit  ‚„Kühnheit‘,
  bruöderscäf  „Brüderschaft‘,  ärzetudöm  „Heilkunde“,

  brütlih  „bräutlich“,  bruöderlih  „brüderlich“,

  däncbäri  „dankbar“  usw.  Von  Nebeneinanderstellungen
  seien  als  Beispiele  erwähnt:  ahd.  Fränkonofürt

  „Frankfurt‘,  mäganchräft  „Majestät“,  höhsedal
  „Ihruon,  Hochsitz‘“  u.  s.  w,

Das  Verständnis  für  die  althochdeutsche  Verskunst
  wird  bedingt  durch  die  Kenntnis  der  althochdeutschen
  .-Betonungsweise,  der  Verteilung  von
Hoch-  und  Tiefton,  was  wir  im  Voranstehenden  ausgeführt
  haben.

Der  althochdeutsche  Vers  besteht  aus  einer
Abwechslung  von  hochbetonten  Silben  (Hebungen)
und  nebentonigen  oder  tonlosen  Silben  (Senkungen),
die  sich  auf  die  zwei  Hälften  des  Verses  verteilen.
Die  Verse  sind  in  der  Regel  reimlos  und  folgen
in  fortlaufender  Reihe  ohne  strophische  Gliederung
aufeinander.  Die  ältere  Ansicht  über  die  Zahl
der  Hebungen  in  einem  Verse  ging  dahin,  jedem
vier  Hebungen  oder  jedem  Halbverse  zwei  Hebungen
zuzuschreiben.  Neuerdings  begnügt  man  sich  damit,
  besonders  mit  Rücksicht  auf  die  übrigen  germanischen
  Dialekte,  für  jede  Vershälfte  nur  eine  Hebung
  anzusetzen  neben  einer  freigegebenen  Zahl
schwachbetonter  oder  unbetonter  Silben.  Länge
oder  Kürze  der  Silben  kommt  für  den  althochdeutschen
  Vers  nicht  in  Betracht;  einzig  und  allein

Betonung
zusammengesetzter

Wörter.

Althochdeutscher

Vers.