Alliteration.


die  Tonstärke  einer  Silbe  bestimmt  ihre  Verwendung
  im  Rhythmus  des  Verses.  Daraus  dürfen  wir
den  Schluss  ziehen,  dass  der  altgermanische  Vers
nicht  gesungen,  sondern  rezitiert  wurde,  dass  also  die
Poesie  nur  die  feierliche,  gehobene  Form  der  Prosarede
  darstellt.  Als  weiteren  Schmuck  der  poetischen
  Sprache  und  wohl  auch  zur  stärkeren  Hervorhebung
  der  hochbetonten  Silben  dient  das  Kunstmittel
  der  Alliteration  oder  des  Gleichklangs.  Je  zwei
Halbzeilen  werden  durch  den  gleichen  Anlaut  von
wenigstens  einer  Hebung  zum  vollen  Vers,  zur  Langzeille
  gebunden.  Wörter,  die  entweder  mit  «em
gleichen  Konsonant  (der  gleichen  Konsonantenverbindung)
  odermiteinem  Vokal  beginnen,  sind  ineinem
Verse  die  Alliterationsträger.  Zahlreiche  Wendungen
in  der  heutigen  Sprache  weisen  solche  Alliterationen
auf:  Mann  und  Maus,  Kind  und  Kegel,  Tod  und
Teufel.  Meistens  verteilen  sich  die  alliterierenden
Anlaute  in  einer  Langzeile  derart,  dass  auf  die  erste
Halbzeile  ein  oder  zwei  alliterierende  Worte,  Stäbe
oder  Stollen  genannt,  auf  die  zweite  Hauptzeile
der  Hauptstab  kommt.  Träger  der  Alliteration  ist
in  der  Regel  das  am  stärksten  betonte  Wort;  dies
ist  in  der  ersten  Halbzeile  meist  das  erste,  das
schwächer  betonte  kann  aber  mitalliterieren;  in  der
zweiten  Halbzeile  ist  es  stets  das  erste  Wort.  Am
häufigsten  alliterieren  Haupt-  oder  Eigenschaftswörter
  als  die  am  stärksten  betonten  Satzglieder;  indes
  kann  in  der  ersten  Halbzeile  auch  das  Zeitwort
  alliterieren,  seltner  und  nur  des  Nachdrucks
wegen  in  der  zweiten  Halbzeile.e  Um  das  Gesagte
zu  veranschaulichen,  mögen  einige  Verse  des  Hildebrandliedes
  (s.  X6,  S.  32f.)  dienen.  Es  ist  die
Klage  Hildebrands  über  sein  hartes  Schicksal,  das