Otfrieds
Verskunst.

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kirchlichen  Hymnen  bedienten,  mit  der  fortschreitenden
  Bildung  weichen  musste.  Daher  sind  die
Reste  althochdeutscher  alliterierender  Dichtung  sehr
spärlich.  Ausser  dem  Hildebrandslied  nur  das
Muspilli,  das  Wessobrunner  Gebet  und  die  zwei
Merseburger  Zaubersprüche  (s.  $  6,  S.  33),  und  auch
bei  diesen  finden  wir  die  Kunstform  der  Alliteration
  schon  durchbrochen  von  prosaischen  Zusätzen.
Im  Altniederdeutschen  sind  im  Heliand,  im  Altenglischen
  im  Beowulf  grössere  alliterierende  Dichtungen
erhalten;  das  Althochdeutsche  dagegen  hat  nur
Bruchstücke  aus  einem  ursprünglich  wohl  reichen
Schatz  an  alliterierender  Dichtung  aufzuweisen.

Verdrängt  wurde  die  alliterierende  Dichtung
durch  ihre  Anpassung  an  die  strophische  Hymnendichtung,
  die  schon  längere  Zeit  das  Kunstmittel
des  Reimes  kannte.  Der  Urheber  dieser  neuen
Dichtungsform  ist  Otfried,  der  Verfasser  der  Evangelienharmonie.
  Ganz  konnte  er  die  althochdeutsche
Sprache  nicht  in  das  Schema  des  lateinischen  Verses
  zwängen,  er  musste  vielmehr  den  Versakzent
in  Einklang  mit  dem  Akzent  der  natürlichen  Rede
bringen,  den  er  ja,  wie  oben  gesagt,  auch
noch  ausdrücklich  als  solchen  kennzeichnet.  Otfrieds
  Vers  hat  wie  die  alliterierende  Langzeile  vier
Hebungen,  zwei  Haupthebungen  und  zwei  Nebenhebungen,
  von  denen  aber  oft  nur  die  ersteren
durch  einen  Akzent  kenntlich  gemacht  werden.
Zwei  Strophen  mögen  das  (sesagte  veranschaulichen:

Tho  erstarp  ther  klüning  Heröd

Da  starb  der  König  Herodes
joh  hina  fuarta  inan  tod:
und  hinnen  fuhr  in  den  Tod: