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Ueberblick  über  die  Sprachquellen  der  mittel-|
  hochdeutschen  Zeit.

Ein  bedeutungsvoller  Faktor  der  literarischen
Tätigkeit,  der  in  althochdeutscher  Zeit  nur  spärlich
vertreten  ist,  die  volkstümliche  Dichtung,  erscheint
in  mittelhochdeutscher  Zeit  als  gleichwertig  an  Einfluss
  und  Ausdehnung  mit  der  kunstmässigen  Poesie.
Die  letztere  findet  ihre  Fortsetzung  zunächst  in  der
geistlichen  Poesie,  die  um  die  Mitte  des  ı1.  Jahr-1050-1150

  hunderts,  gegen  Ende  der  althochdeutschen  Periode,
einen  neuen  Aufschwung  erlebt;  teils  allgemeine
Betrachtungen,  teils  biblische,  teils  Legendenstoffe,
bilden  ihren  Inhalt.  Daneben  verschmähen  die  Geistlichen
  auch  weltliche  Stoffe  nicht,  wobei  ihnen
vielfach  französische  Dichtungen  als  Muster  dienen:
das  Aexanderlied  des  Priesters  Lambrecht,  das  Kolandslicd
  des  Pfaffen  ')  Konrad  gehören  hierher.
‚Um  die  Mitte  des  ı2.  Jahrhunderts  treten  auch  die
ersten  Erzeugnisse  volksgtümlicher  Dichtung  hervor:
  Aönig  Rother,  Herzog  Ernst  und  das  Bruchstück
  vom  Grafen  Rudolf.  Ungefähr  um  dieselbe
Zeit  beginnt  im  Südosten,  auf  volkstümlicher  Ueberlieferung
  fussend,  die  von  Rittern  gepflegte  lyrische
Dichtung,  der  sog.  Minnesang,  dessen  Gegenstand
  die  Liebe  zwischen  Mann  und  Weib  ist;  der
älteste  Vertreter  dieser  poetischen  Gattung  ist  der
Kürenberger.

Die  Blütezeit  der  mittelhochdeutschen  Dichtung,
ihre  klassische  Periode  ist  das  Ende  des  ı2.  und

!  Im  Mittelalter  hat  der  Ausdruck  noch  nicht  die  böse  Nebenbedeutung
  wie  heute.