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  wie  weit  sie  sich  schon  von  jener  im  13.  Jahrhundert
  entfernt  hat,  dafür  können  die  oben  S.  86f.
gegebenen  Urkundenproben  zum  Vergleich  dienen.
Der  Verfall  der  poetischen  Sprache  beginnt  mit  dem
Uebergang  der  Dichtung  in  die  Hände  der  Bürgerlichen,
  der  sog.  Meistersinger.  Neben  seinem  eignen
Versmass  und  Stil,  erlaubt  sich  jeder  Dichter  nunmehr
auch  seine  Mundart  zu  verwenden,  so  dass  im  14.  und
15.  Jahrhundert  von  einer  einheitlichen  Kunstsprache
nicht  mehr  die  Rede  sein  kann.  Vielmehr  zeigen
sich  jetzt  auch  in  der  dichterischen  Sprache  die
Keime  einer  Entwicklung,  die,  gleichwie  in  der  Prosa,
zur  neuhochdeutschen  Zeit  hinüberführen,  wovon
in  $  ı8  die  Rede  sein  wird.

Neben  der  reichfliessenden  Quelle  poetischer
und  seit  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  auch  prosaischer
  Literatur  kommen  in  unserm  Zeitraum
weitere  Sprachquellen  wie  in  althochdeutscher  Zeit
für  reinsprachliche  Zwecke  nicht  mehr  in  Betracht.
Die  uns  erhaltenen  Handschriften  sind  so  mannigfaltig
  nach  Herkunft  und  Mundart  und  geben  so  reichlichen
  Aufschluss  über  das  Leben  und  die  Entwicklung
  der  Sprache  in  mittelhochdeutscher  Zeit,
dass  wir  weitere  Sprachquellen  nur  selten  benötigen.

S  14.
Der  mittelhochdeutsche  Konsonantismus  und
Vokalismus.

Die  Sprache  der  im  vorhergehenden  Abschnitt
genannten  literarischen  Denkmäler  des  Mittelhochdeutschen
  ist  natürlich  keine  einheitliche;  schon  die
zeitliche  Ausdehnung  unserer  Periode  über  4  Jahrhunderte
  (1100—  1500)  spricht  gegen  eine  gleich-