Der  Taaut
w.

-  IOUO   —

dann  schwindet,  so  setzt  sich  diese  Entwicklung  im
späteren  Althochdeutschen  und  Mittelhochdeutschen
fort.  Durch  den  Abfall  der  auslautenden  Vokale  (s.
$  2,  S.  ı3)  war  m  aufs  Neue  in  vielen  Fällen  in
den  Wortauslaut  gerückt,  und  die  ältesten  Denkmäler
  zeigen  allgemein  dieses  m.  Aber  schon  im
I.aufe  des  9.  Jahrhunderts  geht  dasm  der  Flexionsendungen
  in  n  über:  tagum  wird  tagun,  hab&amp;m
wird  haben,  bim,  tuom  werden  bin,  tuon;  dagegen
behauptet  sich  zunächst  m,  wenn  es  zum  Stamm
des  Wortes  gehört,  da  es  durch  die  flektierten
Formen  geschützt  ist:  nam  zu  neman  ‚nehmen‘.
In  unserer  Periode  wird  auch  dieses  m  angegriffen,
wenn  es  zu  einer  Ableitungssilbe  gehört:  mhd.  besem,
  buosem,  vadem  werden  zu  Zesen,  Busen,  Faden.
  Indes  hält  sich  dialektisch  das  m  noch  bis
heute,  wie  es  auch  Luther  oft  aufweist.

Das  urgermanische  w  ist  im  Althochdeutschen
als  Halbvokal  erhalten  geblieben,  es  wurde  wie  das
heutige  englische  w  gesprochen.  Das  Zeichen  w
ist  bekanntlich  aus  uu  entstanden;  oft  wird  im  Althochdeutschen
  auch  geradezu  u  dafür  gesetzt,
und  bis  heute  haben  wir  nach  q  diesen  Gebrauch
beibehalten,  entsprechend  einer  weitverbreiteten  Aussprache:
  Oual,  Quelle  u.  s.  w.

In  mittelhochdeutscher  Zeit  erleidet  dieses
halbvokalische  w  einen  Wandel  in  der  Aussprache,
den  wir  um  das  Jahr  1300  anzusetzen  haben.  Es
wird  zum  labialen  Reibelaut,  der  bis  heute  in  ganz
Süd-  und  Mitteldeutschland  herrschend  geblieben
ist,  während  er  in  norddeutscher  und  hochdeutscher
Aussprache  zum  tönenden  labio-dentalen  Reibelaut
(-=  frz.  engl.  v)  fortgeschritten  ist.  Im  Silbenauslaut
  fällt  w  fort:  sn&amp;  —  sn&amp;wes  „Schnee“.  Ein