Media  und
Tenuis  im
Wechsel.

Auslautendes
  r.

Auslautendes
  t.

—  102  —.

Charakteristisch  für  die  mhd.  Rechtschreibnng  ist
ihre  Genauigkeit  in  der  Bezeichnung  der  Entsprechung
  stimmhafter  Laute  im  Inlaut  und  stimmloser
Laute  im  Auslaut.  Wir  sprechen  auch  heute  noch
alle  5,  d  und  teilweise  auch  g  im  Auslaut  als  9,
und  %:_Lod  sprechen  wir  Lo,  Hund  —  Hunt,
Tag  —  Jak;  im  Inlaut  (Zodes,  Hunde,  Tagen)
sprechen  wir  dagegen  den  ursprünglichen  stimmhaften
  Laut.  Das  Mhd.  ist  auch  in  der  Schreibung
genau,  wenn  es  unterscheidet:  geben  :  gap  (gab),
liden  :  leit  (leiden  :  litt),  bergen  :  barc  (barg).

Auslautendes  r  des  Ahd.  schwindet  in  wenig  betonten
  Umstandswörtern  im  Mhd:;  neben  där,  wär,
er,  hiar,  m&amp;r  finden  wir  dä  ‚‚da‘“,  wä  „wo“,  &amp;  „ehe“,
hie  ‚‚hie“,  m&amp;  „mehr“.  Das  Nhd.  folgt  in  den
vier  ersten  Beispielen,  erhält  aber  das  r  in  Aier  und
mehr,  ebenso  in  Zusammensetzungen  vor  Vokal  bei
wo  und  da  :  worin,  daran.

Das  t  der  3.  Person  Plur.  Praes.  ist  im  älteren
Mhd.  noch  erhalten  in  -ent  aus  ahd.  -ant  :  nement
  =  ahd.  nemant;  im  späteren  Mhd.  fällt  das
t  ab,  wie  es  im  Nhd.  der  Fall  ist.  Dem  Abfall

‘eines  t  steht  aber  die  häufige  Hinzufügung  eines  t

Die  Laute
fundv.

gegenüber  :  mhd.  wilent  .aus  ahd.  wilön  (eig.  Dat.
Plur.  von  wila  „Weile‘‘)  „weiland‘“,  mhd.  nhd.  allen-thalben,
  mhd.  selbert  neben  selbes  u.  s.  w.
Doppelte  Schreibung  für  einen  Laut,  findet  sich
bei  f,  das  auch  v  geschrieben  wird  wie  heute  noch,
vor  a,  o,  e,  i  im  Wortanlaut  und  im  Inlaut  fast  regelmässig,
  gelegentlich  auch  vor  u,  ü,  r,  |  im  Anlaut.
  Aber  zum  Unterschied  vom  Nhd.  scheint  mhd.
f  einen  schärferen  Laut,  etwa  —  nhd.  ff,  v  einen
schwächeren  Laut  zu  bezeichnen.  Man  schreibt
also:  hof  aber  hoves,  niftel  ‚Nichte‘  aber  neve