—  112°  —

Auch  eine  unregelmässige  Steigerung  findet  sich,
d.  h.  die  Steigerungsgrade  werden  von  einem  anderen
  Stamm  gebildet  wie  der  Positiv:

gut  =  guot  —  bezzer  (got.  batiza,  St.  bat-)
bezzest,  beste

schlecht  =  ubil  -—-  wirse  (engl.  worse)  —  wirsest
(engl.  worst)
gross  —  michel  -—  mörer  (got.  maiza)  —  meiste
(got.  maists)
klein  =  lützel  —  minner  (lat.  minor)  —  minnest
(nhd.  windtest).
Adverbia.  Die  ahd.  Adverbialendung  o  ist  zu  e  verblasst:

höch  —  höhe.  Die  Adjektiva  der  alten  ja-Klasse
enden  schon  auf  e  (s.  oben);  ihr  Adverb  unterscheidet
  sich  aber  durch  das  Fehlen  des  Umlauts
vom  Adjektiv:  schoene  -  schöne,  süeze  —  suoze.

Die  Bildung  des  Adverbs  mittels  des  Suffixes
liche,  zu  der  sich  im  Ahd.  erst  die  Ansätze  finden,
ist  im  Mhd.  sehr  verbreitet:  saelec  ‚selig‘  —  saelecliche.e.
  Im  Nhd.  ist  sie  bekanntlich  wieder  im
Verschwinden  begriffen  (s.  $  9,  S.  63f.).  Die  Steigerungsgrade
  des  Adverbs  haben  keinen  Umlaut,  sind
aber  sonst  denen  des  Adjektivs  gleich:  höhe  —

“  höher  —-  höhest.

Fürwörter.  Die  persönlichen  Fürwörter  sind  in  der  Hauptsache
  den  ahd.  Formen  mit  lautgesetzlicher  Entwicklung
  der  Endungen  gleich,  nur  beginnt  bereits
der  Acc.  Plur.  unsich  zu  schwinden,  dafür  tritt  die
Dativform  uns  ein.

Zahl-  Auch  bei  den  Zahlwörtern  kommen,  ausser

wörter.  den  lautlichen  Veränderungen,  keine  bedeutenden
Neuerungen  vor;  für  ahd.  zehanzug  tritt  nunmehr
hundert  auf.