Schwache
Verben.

Rückumlaut.


II.  ı.  grifen  —  greif  —  grifen  —  gegrifen
2a.  liugen  —  loug  —  lugen  —  gelogen
2b.  biuten  —  böt  —  buten  —  geboten
II.  faren  -—  fuor  —  fuoren  —  gefaren
IV.  Der  Reduplikationsvokal  ist  im  Mhd.  gleichmässig
  ie  (nur  in  wenigen  Verben  steht  daneben
  iu):
a  halten  —  hielt  —  hielten  —  gehalten.
b\loufen  —  liuf  und  lief  --  geloufen.

Die  drei  Klassen  der  schwächen  Verben  auf
-cn  (älter  -jen),  -&amp;n  und  -Öön  des  Ahd.  sind  nun  nicht
miehr  auseinanderzuhalten,  da  die  Endungen  gleichmässig
  den  geschwächten  Vokal  e  aufweisen,  nur
dialektisch  und  vereinzelt  finden  sich  noch  die  alten
vollen  Vokale.  Da  schon  im  Ahd.  nach  langem
Vokal  der  Stammsilbe  bei  den  Verben  der  ja-Klasse
das  i  im  Präteritum  zwischen  Stamm  und  Endung
ausfiel,  so  konnte  kein  Umlaut  eintreten,  J.  Grimm
nannte  die  Erscheinung,  dass  die  Gegenwart  umgelauteten
  Vokal  hat,  das  Präteritum  aber  ohne  Umlaut
  ist,  Rückumlaut.  Es  heisst  z.  B.  ahd.
nerjen  „retten“  (got.  nasjan)  —  nerita  —  ginerit  Er:
aber  brennen  (got.  brannjan)  —  branta  —-  gibrennit
  (gibrantör).  Daraus  entwickelt  sich  der  mhd.
Unterschied  zwischen:  denen  (urgerm.  thanjan)  „dehnen‘
  —  denete  —  gedenet  und  hoeren  urgerm.
hausjan)  —  hörte  —  gehoert.  Freilich  fällt  auch
im  Mhd.  in  den  kurzsilbigen  Verben  nach  r  und
l  das  bindevokalische  e  aus,  aber  der  Umlaut  zeigt
sein  früheres  Vorhandensein  :  nern  ‘urgerm.  nasjan)
  --  nerte  —  genert.  Gelegentlich  fehlte  der
Bindevokal  i  im  Präteritum  schon  im  Urgermanischen,
wie  die  Lautangleichung  des  Konsonanten  am  Stammende
  an  das  t  der  Endung  zeigt:  denken  —  däh-