Ein  Tiefton  ist  überall  da  vorhanden,  wo  zwei  Nebenton
nicht  hochbetonte  Silben  aufeinander  folgen,  also  in  dreistets
  in  drei-  und  mehrsilbigen  Wörtern.  Auf  die  Sibigen
hochbetonte  Silbe  konnte  zunächst  eine  unbetonte
und  dann  eine  nebenbetonte  folgen:  hindenän  „hintendrein“
  ;  aber  auch  die  nebentonige  Silbe  kounte
sofort  nach  der  hochbetonten  kommen:  weinende,
heileger.  Man  nimmt  gewöhnlich  an,  dass  der  letztere
  Fall  nach  langer  Stammsilbe  eintrat,  wogegen
nach  kurzer  Stammsilbe  der  Nebenton  auf  die
zweitfolgende  Silbe  fiel:  mäneger,  löbete.  Indes
hält  diese  Regel  nicht  in  allen  Fällen  stand.

Zweisilbige  Wörter  erhalten  nur  dann  einen  Nebeuton
Nebenton,  wenn  im  Zusammenhang  der  Rede  wie-  in  zweider
  eine  unbetonte  Silbe  folgt:  daz  wärt.  dö  Gün-  en
ther  bekänt;  aber  gewöhnlich  nur  solche  mit  langer
Stammsilbe  ıkleine,  bieten);  Wörter  mit  kurzer
Stamnisilbe  wie  böte,  ‚sägen,  nime  können  keinen
Nebenton  erhalten.

Für  die.  Zusammensetzungen  gelten.  im  Mlıd.  Nelenton
dieselben  Regeln  wie  für  das  Ahd.,  sowohl  für  die  N  Zu
zusammengesetzten  Hauptwörter  wie  Zeitwörter.  etzungen
Wir  verweisen  daher  auf  das  in  $  ıo  Gesagte  als
für  die  mhd.  Zeit  (ebenso  wie  für  das  Nhd.)  zutreffend.


Auch  bei  den  Kunstformen  der  poetischen  Puoctisclr
Sprache  ist  das  Band  zwischen  ahd.  und  mhd.  Zeit  Svrache
nicht  zerrissen.  Wesentlich  auf  der  von  Olfriel
geschaffenen  Grundlage  beruht  bei  den  älteren
Minnesängern,  im  Nibelungenlied  u.  s.  w.  die  kunstmässige
  Dichtungsform  des  Mhd.  Gewisse  Verschiebungen
  mussten  sich  natürlich  durch  die  Entwicklung
  der  Sprache  ergeben,  indem  die  abıcschwächten
  Endungen  weniger  befähigt  sind,  Hı-