Rittertum
in
Deutschland.


Franz.
Fremdwörter.


höchsten  Blüte,  erfüllt  von  religiösen  Idealen,  ein
Streiter  für  Recht  und  Treue,  ein  Beschützer  der
Schwachen  und  Bedrückten.  Der  Niederschlag  dieser
  Lebensauffassung  findet  sich  in  den  zahlreichen
französischen  höfischen  Epen  der  karolingischen,
bretonischen  und  antiken  Sagenkreise,  die  als  Chansons
  de  Geste  bezeichnet  werden.  Vom  Niederrhein
  aus,  wo  auch  Heinrich  von  Veldeke  (s.  $.13,
S.  9ı)  zu  Hause  ist,  verbreitet  sich  ıitterliches
Wesen  und  ritterliche  Lebensauffassung  in  Deutschland.
  Doch  erst  im  ı2.  Jahrhundert:  bildet  sich
hier  ein  eigentlicher  Ritterstand  heraus,  dessen
glänzendste  Zeit  die  Epoche  der  hohenstaufischen
Kaiser  (1138  —1254)  ist.  Das  Rittertum  übernahm
seine  eigenartige  Organisation  von  Frankreich  her;
dort  ist  auch  die  Quelle  der  höfischen  Dichtungsform
  zu  suchen,  von  der  in  \  16,  S.  ııg  f.  die
Rede  war.

Wie  nun  in  der  urgermanischen  und  althochdeutschen
  Zeit  das  kulturelle  Uebergewicht  Roıns
einen  gewaltigen  Zufluss  lateinischen  Sprachguts
in  die  deutsche  Sprache  zur  Folge  hatte  ($  2,  S.  14),
so  bewirkt  nunmehr  die  Herübernahme  ritterlicher
Sitte  ein  Einströmen  französischer  Benennungen  für
die  entlehnten  Gegenstände  und  Anschauungen  in

.die  mhd.  Sprache.  Man  kann  die  Zahl  der  französischen

  Fremdwörter  in  mhd.  Zeit  ebenso  hoch
wie  die  lateinischen  Lehnwörter  in  ahd.  Zeit  schätzen:
  auf  über  500.  In  der  Hauptsache  sind  es
Ausdrücke  des  Ritter-  und  Minnewesens,  daneben
auch  solche,  die  durch  den  Handel  und  Verkehr
mit  den  westlichen  Nachbarn  nach  Deutschland  gekommen
  sind.  Viele  von  ihnen  sind  längst  wieder
abgestossen  worden,  andere  dagegen  gehören  bis