Kap.  W.
Der  neuhochdeutsche  Zeitraum

(von  1500  bis  heute).

$  18.

Uebergangszeit  vom  Mittelhochdeutschen  zum
Neuhochdeutschen.

“Die  Einheitlichkeit  der  Sprache,  die  wir  bei  den
guten  Schriftstellern  des  ı2.  und  13.  Jahrhunderts
bemerken,  hält  im  14.  und  15.  Jahrhundert  nicht
mehr  vor.  Dialektische  Eigentümlichkeiten  erlaubten
sich  zwar  auch  manche  Schriftsteller  der  klassischen
Zeit,  aber  nunmehr  wird  die  Ausnahme  zur  Regel;
kein  Dichter  und  kein  Prosaiker  tut  sich  mehr  irgendwelchen
  Zwang  an,  jeder  bringt  seine  Mundart  zur
Geltung.  Zur  Zeit  der  Blüte  der  mhd.  Literatur  war
in  der  Sprache  Südostdeutschlands  ein  Mittelpunkt
vorhanden,  dem  sich  die  Dichter  möglichst  zu  nähern
suchten,  was  ihnen  um  so  eher  gelang,  als  die  Mundarten
  Oberdeutschlands  und  selbst  Mitteldeutschlands
noch  nicht  so  sehr  weit  auseinandergingen  wie  später.
Das  ändert  sich  gegen  das  Ende  der  mhd.  Periode.
Die  oberdeutschen  Mundarten,  das  Bairische  und
Alemannische,  werden  nunmehr  durch  eine  tiefe  Kluft
geschieden,  die  sich  durch  die  neue  Entwicklung

Feist,  Die  deutsche  Sprache.  9