—-  130  0  —

Neue  der  langen  Vokale  1,  ü,  iu  (—  ü)  in  ersterem  Dialekt

Doppel-  }erausbildet.  Deutliche  Zeichen  dieser  Bewegung
vokale  .  e

ei,  au,  eu,  bemerken  wir  bereits  im  ı2.  Jahrhundert,  gegen  Ende

desselben  sind  die  neuen  Doppellaute  ei,  ou,  eu

nicht  selten  neben  den  alten  Lauten  in  bairisch-‚österreichischen

  Handschriften;  ein  Jahrhundertspäter

haben  die  neuen  Zeichen  die  alten  beinahe  ganz  verdrängt.

  Nun  heisst  es  für  wip,  fül,  hiute  —  weib,

foul  „faul“,  heute.  Von  Südosten  aus  treten  die

neuen  Laute  ihren  Siegeszug  an:  Böhmen,  Schlesien,

Ostfranken,  Obersachsen,  Rheinfranken  beugen  sich

nach  und  nach  der  neuen  Sitte;  um  1500  hat  sie

das  letztgenannte  Gebiet  sich  erobert.  Die  anderen

Dialekte,  also  besonders  das  Alemannische  und  Mittelfränkische,

  bewahren  die  alten  Längen,  abgesehen

von  ihren  Grenzgebieten  gegen  die  benachbarten

Mundarten,  die  den  Wechsel  vorgenommen  haben.

Das  Mitteldeutsche  hatte  schon  früh  ($  14,  S.  107)
die  Doppellaute  uo,  ie  und  iu  zu  U,  i,ü  zusammengezogen;
  nun  kamen  die  neuentwickelten  Doppellaute
  ei,  ou  (wofür  es  gern  ai  und  au  schreibt,  gleichwie
  für  die  schon  vorhandenen  gleichen  Laute)  und
eu  hinzu.

So  hatten  sich  die  beiden  oberdeutschen  Mundarten
  in  ihrer  lautlichen  Gestaltung  weiter  von  einander
  entfernt  als  zur  Blütezeit  der  mhd.  Literatur,
und  das  Mitteldeutsche  gar  war  sowohl  vom  bairischen
  wie  besonders  vom  alemannischen  Dialekt  noch
mehr  abgerückt  als  zu  Anfang  der  mhd.  Periode.
Die  Schriftsteller,  die  aus  diesen  verschiedenen  Gegenden
  stammten,  hatten  wohl  noch  den  guten  Willen,
aber  nicht  mehr  die  Kraft,  sich  von  ihrer  Mundart
freizumachen;  ja,  einzelne  gehen  so  weit,  sich  sogar
das  Recht  zu  wahren,  ihren  heimatlichen  Dialekt  zu