Die  neuen  ei-Laute  finden  wir  in  dein  und  wet/,
dagegen  die  alten  u-  und  iu-Laute  in  Auss  „Haus“
und  /“t  „Leute“.  Doch  ist  Murner  immerhin  nur
ein  vereinzeltes  Beispiel  zu  seiner  Zeit;  damit  der
mitteldeutsche  Sprachgebrauch  siegreich  auf:  allen
Gebieten  durchdringen  konnte,  musste  eine  überall
anerkannte  Autorität  mit  einer  entscheidenden  Tat
kommen  und  die  letzten  :  hindernden  Schranken
niederreissen.

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Die  Entstehung  der  neuhochdeutschen
Schriftsprache.

Im  vorhergehenden  Abschnitt  haben  wir  gesehen,
  dass  zu  Ende  des  Mittelalters  alle  Vorbedingungen
  gegeben  waren,  um  das  Entstehen
einer  einheitlichen  Schriftsprache  zu  begünstigen,
und  dass  die  ersten  Anläufe  zur  Verwirklichung
dieses  weitverbreiteten  Bedürfnisses  getan  waren.
Hätte  man  der  Bewegung  ihren  freien  Lauf  gelassen,
so  wäre  unzweifelhaft  die  deutsche  Schriftsprache
‚auf  ihrem  Boden  erwachsen.  Schon  hatte  auch  die
Druckerkunst  begonnen  deutsche  Bücher  herzustellen:
  1461  erscheint  das  erste  deutsche  Buch
in  Bamberg;  im  Jahre  ı518  ist  die  Zahl  der  deutschen
  Bücher  aber  nur  auf  150  gestiegen;  also  nach
mehr  als  einem  halben  Jahrhundert,  gegenüber  der
rasch  anwachsenden  Zahl  der  Druckereien  und  ihren
vielen  lateinischen  Druckwerken,  eine  verschwindende
Minderheit.  Das  kam  daher,  dass  die  katholische
Kirche  hemmend  in  die  deutschsprachliche  Bewegung
  eingegriffen  hatte.  Im  Jahre  1486  erliess
Erzbischof  Berthold  von  Mainz,  allerdings  nicht  aus