Martin
Luther.

Luthers
Bibelübersetzung.


Feindschaft  gegen  die  deutsche  Sprache,  ein  Verbot
  gegen  den  Druck  deutscher  Bibelübersetzungen;
aber  wie  wirksam  es  war,  beweist  der  Umstand,
dass  zwischen  1486  und  1522  weniger  deutsche
Bibelausgaben  erschienen  als  in  der  weit  kürzeren
Zeit  von  146ı  bis  1486.  So  hatten  geistliche  Bedenken
  und  Vorurfeile  die  stetige  Entwicklung  des
deutschen  Schriftwesens  unterbunden,  und  vielleicht
hätte  diese  Fessel  unserer  Sprache  lange  Jahrzehnte
angehaftet,  wenn  nicht  auf  kirchlichem  Gebiete  die
bedeutsame  Neuerung,  die  wir  die  Reformation
nennen,  auch  diese  Schranke  beseitigt  hätte.
Sobald  Martin  Luther  mit  dem  katholischen
Glauben  gebrochen  hatte,  war  ihm  sein  Weg  unfehlbar
  vorgezeichnet:  statt  auf  den  Papst  und  die
römisch  gesinnte  Geistlichkeit  musste  er  sich  auf
das  deutsche  Volk  und  die  deutschen  Fürsten
stützen.  Das  deutsche  Volk  konnte  er  aber  nur
dann  für  sich  und  den  neuen  Glauben  gewinnen,
wenn  er  ihm  verständlich  war  und  den  Gottesdienst
in  seiner  Sprache,  statt  wie  bisher  grossenteils  in
lateinischer  Sprache  hielt.  Zwar  hatten  die  Geistlichen
  schon  vor  ihm  und  von  jeher  deutsch  gepredigt,
  aber  nun  wird  auch  das  Kirchenlied  und
die  Messe  deutsch.  Luthers  grösste  Tat  indes  war
seine  Bibelübersetzung.  Auch  hierin  hatte  er  ja,
wie  schon  erwähnt,  Vorgänger,  die  freilich  infolge
der  kirchlichen  Verbote  gegen  deutsche  Bibelübersetzungen
  zu  keiner  rechten  Bedeutung  gelangen
konnten.  Nunmehr  war  das  Hemmnis  beseitigt,  und
Luthers  Bibelübersetzung,  die  er  ı521  auf  der
Wartburg  begonnen  und  erstmalig  im  Jahre  1534
vollendet  hatte,  trat  ihren  Siegeslauf  in  die  deutschen
  Lande  an.  Darin  unterschied  sie  sich  von