ihren  Vorgängerinnen,  dass  sie  sich  auf  den  hebräischen
  und  griechischen  Urtext  stützte  und  nicht
deren  lateinische  Uebersetzung,  die  sog.  Vulgata,
zur  Vorlage  nahm.  Da  die  älteren  Bibelübersetzungen
  weniger  ins  Volk  gedrungen  waren  als  die
Luthersche,  so  hat  ihre  Sprache  auch  keinen  Einfluss
  auf  die  Gestaltung  der  nhd.  Schriftsprache
ausgeübt.

Wie  ist  nun  Luthers  Sprache  geworden?  Luther
selbst  erkennt  die  Autorität  der  kaiserlichen  Kanzlei
unter  Maximilian  in  sprachlichen  Dingen  an.  Bekanntlich
  war  dieser  Kaiser,  wie  kein  anderer  seit
Karl  dem  Grossen  und  kein  späterer,  ein  Förderer
der  deutschen  Sprache  und  Dichtung,  ja  selbst
Schriftsteller.  Er  liess  eine  Sammlung  der  alten
deutschen  Heldenlieder  veranstalten  —  die  Gudrunsage
  ist  allein  auf  diese  Weise  erhalten  geblieben
—  und  schrieb  zwei  selbständige  Werke,  den  Teuerdank
  und  den  Weiss-Kunig.  Jenes  ist  ein  allegorischer
  Roman  aus  seinem  eignen  Leben,  dieses  ein
Geschichtswerk  über  die  Zeit  seines  Vaters  und  seine
.eigne  Regierung.  Ebenso  liess  er  zahlreiche
deutsche  Uebersetzungen  klassischer  lateinischer
Schriftsteller  veranstalten,  von  Cäsar,  Livius,  Vergil
u.s.  w.  Ja,  er  beauftragte  sogar  seine  Hofbeamten
und  Kanzlisten,  sich  die  Regelung  der  deutschen
Sprache  angelegen  sein  zu  lassen  und  eine  deutsche
Grammatik  auszuarbeiten.  Es  leuchtet  ein,  dass
ein  solcher  Fürst  grossen  Einfluss  auf  die  Gestaltung
  der  deutschen  Sprache  ausüben  musste;  seine
Kanzlei  war  das  Vorbild  der  sächsischen  Kanzlei,
deren  Sprache  sich  Luther  zum  Muster  nahm.  Um
eine  Vorstellung  von  dem  Aussehen  der  Kanzleisprache
  zu  Beginn  des  ı6.  Jahrhunderts  zu  ermög-Vorbilder


für
Luthers
Sprache.