Veraltete

Splitter  in  deines  Bruders  auge  und  wirst  nicht  gewar
  des  Balcken  in  deinem  auge?  Oder  wie  tharstu  ‘
sagen  zu  deinem  Bruder,  Halt,  ich  wi  dir  den
Splitter  aus  deinem  Auge  ziehen,  und  sihe,  ein  Balcke
ist  in  deinem  Auge.  du  Heuchler,  zeuch?  am
ersten  den  Balcken  aus  deinem  auge,  darnach  besihe,
wie  du  den  Splitter  aus  deines  Bruders  auge  ziehest.

Eine  Wittenberger  Ausgabe  vom  Jahre  1582

Wörter  bei  zeigt  schon  neuere  Formen:  Gericht  für  obersäch-Luther.



sisches  Gerichte,  darfst  du  für  tharstu;  natürlich
hat  Luther  selbst  damit  nichts  mehr  zu  tun,  da  er
1546  gestorben  ist.  Seine  Sprache  enthält  noch
zahlreiche  Wörter  oder  Wortformen,  die  seitdem
ausser  Gebrauch  gekommen  sind  wie  afterreden  —
nachreden,  Ardiss  —=  Frühstück,  Öloizling  =  plötzlich,
  drachtig  —  prächtig,  Dard  —  Notdurft,  dürsfig
  —  kühn,  Fahr  —  Gefahr,  Aretzmerei  (slav.  Ursprungs)

  =  —  Krämerei,  süchtig  —  namhaft,  Schnur
—  Schwiegertochter,  Schoss  =  Steuer,  verstorzt  —
verirrt,  urbittig  —  erbietig,  Wat  —=  Kleid,  und

zahlreiche  andere.  Noch  konjugiert  Luther  nach
mittelhochdeutscher  Weise  s/eig,  freib,  schrei,  bleib
für  gleichzeitiges  oberdeutsches  und  neuhochdeutsches
  stieg,  trieb,  schrie,  blieb;  im  Plural  wir
schwunden,  funden,  hulfen.  Für  nhd.  Umlauts-4
gebraucht  er  noch  mhd.  e  in  Zende,  teglich,  Veter;
für  nhd.  dö  noch  mhd.  e  in  Zelle,  Lefel,  zweif,
leschen;,  ie  steht  für  ü  in  Ziegen,  triegen  u.  a.  Häufig
findet  sich  der  Umlaut,  wo  die  nhd.  Schriftsprache
ihn  nach  oberdeutscher  Weise  meidet,  besonders

1  =  mhd.  tarst  du  „wagst  du“  vgl.  $  15,  S.  115.  °  =
mhd.  ziuh  „zieh“,