sprache  erhob,  und  besonders  Luther,  der  bei
vielen  Gelegenheiten  unsere  Muttersprache  —  dieses
Wort  begegnet  zum  erstenmal  um  die  Mitte  des
ı6.  Jahrhunderts  —  über  das  Lateinische  erhob  und
ihre  Vorzüge  pries.  Die  Folgen  machten  sich  bald  |
bemerkbar.  Im  Jahre  1518  wurden  etwa  150  deutsche  Zunehmen-Bücher
  gedruckt,  151g  aber  schon  260,  1520  so-  der  Ge
gar  570  und  so  geht  es  in  rascher  Steigerung  auf-  brauch  der
wärts  bis  zum  Jahr  1524,  wo  fast  1000  deutsche  Sprache.  :
Bücher  gedruckt  wurden,  von  den  Flugschriften,  die  |
zu  Hunderten  im  Lande  umhergingen,  gar  nicht  zu
reden.  Allerdings  sind  erst  gegen  das  Ende  des
17.  Jahrhunderts  die  deutschen  Bücher  in  der  Ueberzahl
  gegenüber  den  lateinischen.  Noch  Luthers
Zeitgenossen  konnten  die  deutsche  Sprache  als
barbarisch  bezeichnen;  um  die  Mitte  desselben
Jahrhunderts  aber  kommt  die  stolze  Benennung  der
deutschen  ‚„Haupt-  und  Heldensprache‘“  auf,  die  ihr
zwei  Jahrhunderte  lang  verbleiben  sollte.  Damit
unsere  Muttersprache  diesen  Rang  einnehmen  konnte,
musste  sie  gleich  dem  Lateinischen  ein  festeres  Gefüge,
  eine  strengere  Norm  erhalten,  als  sie  bisher
gehabt  hatte.  Luther  hat  mit  der.  Verwahrlosung  l-uthers
der  sprachlichen  Form  des  Deutschen  aufgeräumt;  inuss
er  gab  dem  deutschen  Volke  eine  mustergültige  Regelung
Sprache  in.  seiner  Bibelübersetzung.  Bei  seiner  der
Leichenfeier  hebt  ein  Redner  als  sein  besonderes  deutschen
Verdienst  hervor:  „Es  haben  auch  die  Kanzleien  &gt;Prache.
zum  Teil  von  ihm  gelernt  recht  deutsch  schreiben
und  reden;  denn  er  hat  die  deutsche  Sprache  wieder
recht  herfür  gebracht.“

Luthers  sprachlicher  Einfluss  macht  sich  naturgemäss
  zuerst  in  Mitteldeutschland  geltend:  Fabian  z.1ian
Frangkhatim]Jahre  1531  ein  Büchlein  „‚Orthographia‘‘  Frangk.

Feist,  Die  deutsche  Sprache.  10