Clajus.

Widerstand

herausgegeben,  worin  er  Muster  für  diejenigen  aufstell,
  die  ‚rechtförmig  deutsch  schreiben  oder
reden‘  wollen;  unter  diesen  Mustern  seien  ihm  ‚‚des
teuern,  hochloblicher  gedechtnis,  Keiser  Maximilianus
  Cantzley,  und  dieser  Zeit  D.  Martini  Luthers
schreiben  zuhanden  komen“.  Auch  hat  er  schon
eine  ganz  richtige  Ansicht  von  der  Schriftsprache:
sie  fällt  mit  keiner  Mundart  zusammen,  sondern  sie
muss  über  allen  Mundarten  stehen.  Am  Ende  des
16.  Jahrhunderts  (1578)  erscheint  die  deutsche
Grammatik  des  Clajus,  die  ebenfalls  Luthers
Sprachgebrauch  als  Norm  aufstellt.  Sie  beherrscht
den  deutschen  Sprachunterricht  fast  ein  und  ein
halbes  Jahrhundert  lang  —  die  letzte,  ıı.  Auflage
erschien  1720  —  und  tat  sehr  viel  für  die  Ausbreitung
  von  Luthers  Sprache  während  des  17.

Jahrhunderts.

Freilich  ging  das  Vordringen  der  neu  gegegen

  die  gründeten  Schriftsprache  nicht  überall  so  glatt  vor

neue
Schriftsich.

  In  Süddeutschland  und  besonders  in  der

sprache  in  politisch  vom  Reich  getrennten  Schweiz  wird  ihr

Süddeutsch-



ernsthafter  und  langandauernder  Widerstand  entgegen
  gesetzt.  Ja,  alsin  Basel  ein  Abdruck  des  neuen
Testaments  von  Luther  veranstaltet  wird,  sieht  sich
der  Drucker  veranlasst,  die  ‚ausländischen‘  Wörter
Luthers  in  einem  besonderen  Verzeichnis  ins  Basler
Deutsch  zu  übersetzen.  Ein  anderes  Verfahren,  die
Nachdrucke  Lutherscher  Schriften  den  Angehörigen
der  betreffenden  Mundart  verständlich  zu  machen,
bestand  darin,  Formen  und  Worte  Luthers  durch
die  entsprechenden  der  Mundart  einfach  zu  ersetzen.
  So  wenig  Achtung  hatte  man  in  jener  Zeit
vor  dem  sprachlichen  Ausdruck  des  Schriftstellers!
Natürlich  kamen  solche  Aenderungen  oft  auch  un-