beabsichtigt  und  gegen  den  Willen  der  Verleger

durch  die  Setzer  in  den  Text  hinein,  da  diese

meist  nur  ihre  Mundart  beherrschten.  Am  störendsten

  macht  sich  dieser  Umstand  in  der  Schweiz  bemerkbar,

  deren  Dialekte  noch  im  16.  Jahrhundert

uralte  Formen  bewahrt  hatten:  zwanzigost  =  2ote,  Alte  Wort:

einvaltigost  —  einfaltigste,  entledigo!  —  entledigt,  formen:  jet
chweizerwurdy

  —  würde,  güt  =  gut,  lıggen  —  liegen,  deutsch:

seipfe  =  Seife,  werchen  =  wirken  und  derartiges

mehr,  ganz  abgesehen  davon,  dass  die  Schweiz

die  alten  Längen  7,  ü,  ü  besass.  Aus  diesem

Grunde  wird  der  Anschluss  der  Schweiz  an  die

neuhochdeutsche  Schriftsprache  erschwert;  sie

musste  ihren  Bewohnern  als  etwas  Fremdartiges  erscheinen.

  Indes  fehlte  es  auch  in  der  Schweiz  im

16.  Jahrhundert  nicht  an  Druckwerken,  die  sich  der

hechdeutschen  Lautgebung  anschliessen,  aber  sie

fanden  zunächst  wenig  Anklang.  Schliesst  man  sich

auch  seit  dem  Ende  des  16.  Jahrhunderts  in  Zürich

äusserlich  dem  neuen  Sprachgebrauch  an,  so  bleibt

doch  der  Wortschatz,  die  Stammbildung  und  die

Syntax  ganz  der  alten  Eigenart  getreu.  Ja,  man

stützt  die  Erhaltung  der  Mundart  noch  durch  die

Abfassung  spezieller  Grammatiken  für  dieselbe.

Erst  um  1600  beginnen  die  Basler  und  Schaffhauser

Kanzleien  die  modernen  ei,  au,  eu  einzuführen;  es

dauert  bisin  die  zweite  Hälfte  des  ı7.  Jahrhunderts,

ehe  sich  die  Züricher  Kanzlei  dazu  entschliesst;

im  Jahre  1660  wird  in  Zürich  beschlossen,  die

Bibelausgabe  in  hochdeutscher  Sprache  zu  veranstalten.



Ganz  anders  wie  die  Schweiz  verhält  sich  Nieder-Niederdeutschland.
  Bis  auf  Luther  herrschte  hier  deutsch.
in  den  Drucken  das  Niederdeutsche,  das  freilich  nn

10*