ist,  überwinden  und  sich  klar  darüber  werden,  welch
kostbares  Gut  und  welch  herrlichen  Schatz  seine
Muttersprache  birgt.

S  21.

Der  Einfluss  des  Humanismus
und  des  Französischen
auf  die  neuhochdeutsche  Schriftsprache.

Während  der  unruhigen  Zeiten  der  Völkerwanderung
  war  dem  Abendlande  die  Kenntnis  des
klassischen  Altertums,  der  lateinischen  und
griechischen  Sprache  wie  Literatur  verloren  gegangen.
  Kaum  erhielt  sich  in  den  Klöstern  und  in
den  Kanzleien  der  Fürsten  ein  fehlerhaftes  und  mit
barbarischen  Bestandteilen  durchsetztes  Latein.
Zwar  hatte  schon  Karl  der  Grosse  (768  814)  und
nach  ihm  die  Ottonen  (Otto  I.  736-773,  Otto  I.
973—  983,  Otto  IL.  983  —  1002)  Versuche  gemacht,  die
gelehrte  Bildung  in  Deutschland  zu  heben,  aber
ohne  nachhaltigen  Erfolg.  Die  grosse  Menge  des
deutschen  Volkes  war  viel  zu  sehr  gedrückt  in  seiner
Lebenshaltung  und  seine  Interessen  waren  zu  sehr
auf  die  Befriedigung  '  der  notwendigsten  Lebensbedürfnisse
  gerichtet,  als  dass  es  sich  für  Dinge  hätte
erwärmen  können,  die  soweit  von  seinem  Gesichtskreis
  entfernt  lagen  wie  die  Beschäftigung  mit  gelehrten
  Studien.  Das  Rittertum  ging  in  Fehden
und  kriegerischen  Unternehmungen  auf  und  begünstigte
  besten  Falls  die  schöngeistige  Literatur,
Romane  und  Liebeslieder;  das  Bürgertum  in  den
Städten  war  meist  in  politische  Kämpfe  verwickelt