—  153  —

und  lebte  hauptsächlich  dem  Erwerb.  So  war,
ausser  im  beschaulichen  Leben  der  Mönche  in  den
Klöstern,  für  gelehrte  Bestrebungen  kein  Boden
vorhanden,  selbst  wenn  die  Möglichkeit,  Kenntnisse
zu  erwerben,  verbreiteter  gewesen  wäre.

Aber  nicht  in  allen  Ländern  Europas  lagen  die
Verhältnisse  so  ungünstig  für  die  Wissenschaft  wie
in  Deutschland.  In  Italien  hatte  sich  trotz  der
vielen  verheerenden  Kriege  und  der  fortwährend
wechselnden  Herrschaften  eine  Ueberlieferung  aus
dem  Altertum  erhalten.  Neu  befruchtet  wurden  die
dürftigen  Keime  durch  die  Berührung  mit  den
Arabern  in  Süditalien  und  Sizilien,  den  eigentlichen
Trägern  der  gelehrten  Bildung  im  frühen  Mittelalter.
Unter  der  Regierung  des  Hohenstaufen  Friedrich
II  (1215—ı250),  der  für  Deutschland  wenig,  für
sein  Stammland  Sizilien  alles  tat,  beginnt  eine
Blütezeit  in  Kunst  und  Wissenschaft  für  Italien,  die
ihren  Höhepunkt  im  folgenden,  dem  14.  Jahrhundert
erreicht.

Diese  Wiedergeburt  (Renaissance)  des  klassischen
Altertums  bleibt  indes  zunächst  auf  Italien  beschränkt.
  Erst  im  15.  Jahrhundert,  als  die  Eroberung
  Konstantinopels  durch  die  Türken  (1453)  und
die  Vernichtung  des  griechischen  Kaisertums  Italien
und  das  übrige  Europa  mit  einer  Flut  griechischer
Gelehrten  überschwemmt,  nimmt  das  Studium  des
Lateinischen  und  Griechischen  einen  neuen  Aufschwung
  in  den  westlichen  Ländern.  Verhältnismässig
  spät  erst  dringt  die  neue  gelehrte  Bewegung
nach  Deutschland  vor,  wo  sie  ihre  höchste  Blüte  im
16.  Jahrhundert  erreicht.  Mit  der  dem  Deutschen
eignen  Gründlichkeit  wird  nun  auch  die  Ursprache
der  Bibel,  das  Hebräische,  in  den  Kreis  der

Renaissance

ın  Italien.

Ausbreitung
  der
Renaissance.
