Einfluss
des  Französischen.


für  zahllose  Fremdwörter  gewesen.  Nicht  nur  aus
dem  Lateinischen  und  Griechischen,  sondern  auch
aus  dem  Italienischen  und  besonders  aus  dem
Französischen  wurden  Novellen,  Schäfer-  und
Abenteuerromane  und  vieles  andere  ins  Deutsche
unter  Beimengung  zahlreicher  Fremdwörter  übertragen.


War  unsere  Muttersprache  also  bereits  in  der
ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  durchsetzt  mit
Bestandteilen  fremden,  besonders  lateinischen  Ursprungs,
  so  sollte  es:  dabei  nicht  einmal  sein  Bewenden
  haben.  In  der  zweiten  Hälfte  desselben:
Jahrhunderts  beginnt  sich  der  Einfluss  der  französischen
  Sprache  bemerkbar  zu  machen.  Freilich
war  schon  einmal  ein  nicht  unbedeutender  Zufluss
französischen  Sprachguts  im  ı1.  und  12.  Jahrhundert
  erfolgt  (vgl.  $  17,  S.ı23  ff.),  aber  er  beschränkte
  sich  auf  bestimmte  Gesellschaftsklassen,
in  denen  die  höfischen  Epen  gelesen  und.  verstanden
  werden  konnten;  der  grossen  Menge  blieben
diese  Literaturerzeugnisse  fremd,  und  somit  konnte
von  einer  tieferen  Beeinflussung  der  Sprache  durch
sie  auch  keine  Rede  sein.  Im  16.  Jahrhundert  aber
waren  die  weitesten  Kreise  des  Volks  der  Bildung
gewonnen  worden,  und  die  Buchdruckerkunst  hatte
die  Verbreitung  der  Literaturerzeugnisse  ausserordentlich
  gesteigert.  Wenn  sich  nunmehr  einflussreiche
  Kreise  dem  französischen  Wesen  zuwandten,
  so  musste  dies  von  ungleich  tieferer  Wirkung
  sein  als  vierhundert  Jahre  vorher.  Der  mächtigste
  Beschützer  der  französischen  Sprache  fand
sich  in  der  Person/des  deutschen  Kaisers  Karl  V.
und  seiner  Nachfolger,  die  keine  Spur  von  deutscher
Art  an  sich  hatten,  ja  nicht  einmal  richtig  deutsch