Sprachmengerei.


Sprachguts  in  unsere  Muttersprache  hin:  die  Kriege
des  17.  Jahrhunderts,  die  vor  allem  die  Franzosen
nach  Deutschland  führten.  Schon  vorher  wurde
unscre  Sprache  von  ihnen  beeinflusst  und  nun,  nach
der  grauenhaften  Verwüstung  des  Landes  durch
den  30jährigen  Krieg  und  der  Zerrüttung  der
alten  Ordnung,  fand  der  französische  Einfluss  erst
recht  keinen  Widerstand  mehr  in  Deutschland.  Das
17.  Jahrhundert  ist  entschieden  der  traurigste  Ab-.
schnitt  der  deutschen  Sprachgeschichte  wie  der
deutschen  Geschichte  überhaupt.  Wie  Deutschland
politisch  vom  Ausland  abhängig  wurde  durch  den
unseligen  westfälischen  Frieden,  so  verlor  es  auch
sprachlich  jede  Selbständigkeit.  Der  satyrische
Schriftsteller  Joh.  Mich.  Moscherosch  (1601  —  1669)
z.  B.  verspottet  in  seinem  Roman:  Wunderliche  und
wahrhaftige  Geschichte  Philanders  von  Sittewald
die  „A  la  mode  -Sucht“  seiner  Zeit;  aber  das  Uebel
sass  zu  tief,  als  dass  er  oder  andere  Schriftsteller,
die  gegen  die  Fremdwörter  eiferten,  mit  ihren
Warnungen  hätten  durchdringen  können.  Eine
Probe,  wie  man  die  Sprache  mit  ausländischen  Eindringlingen
  zu  vermengen  pflegte,  mögen  folgende
Spottverse  geben:

Wann  ewr  mental-concept!  fi)  joll  realisiren

Mit  alamode-Red  und  Reputation?

So  feyb  ihr  amoureux?  der  fremden  Nation.

Wir  werden  niemandt  nicht  deswegen  mesprisiren®

Dann  wie  wir  die  frembde  Spradh  aud)  Hödlic)
aestimiren?.

Doc  abhorriren®  wir  die  Tylid-confusion’

I  geistiges  Vorhaben.  ?  Ruf.  ®  verliebt  in.  *  verachten.
5  achten.  ®  verabscheuen.  7  Verwirrung.