Censiret!  wa3  jhr  wollt,  habt  jhr  discretion®,
So  laft  uns,  wie  wir  euch,  in  diefem  Stüd  passiren®.
Man  könnte  die  Sprachmengerei  in  diesen
Versen  für  übertrieben  halten;  sie  ist  es  aber  nicht
sehr;  alle  prosaischen  Werke  des  17.  Jahrhunderts
—  mit  wenigen  rühmlichen  Ausnahmen  —,  alle  die
zahlreichen  Flugschriften,  alle  kaiserlichen  und
reichsfürstlichen  Erlasse,  gerichtlichen  Urteile
u.  Ss.  w.  wimmeln  von  Fremdwörtern  französischer,
lateinischer  und  italienischer  Herkunft  (die  letzteren

stammen  zum  grossen  Teil  aus  dem  kaufmännischen

Bankverkehr).  Doch  ist  das  Gefühl  für  ihre  undeutsche
  Herkunft  noch  durchaus  rege.  Es  zeigt
sich  dies  darin,  dass  die  Fremdwörter  im  Gegensatz
  zu  dem  deutschen  Text  mit  lateinischen  Buchstaben
  gedruckt  werden,  ein  Brauch,  der  sich  im
ganzen  17.  Jahrhundert  erhält.

Die  hier  beigegebene  Tafel  IX  soll  uns  zeigen,
wie  ein  Druckwerk  der  damaligen  Zeit  mit  den
zahlreich  eingestreuten  und  meist  schon  durch  den
lateinischen  Druck  kenntlichen  Fremdwörten  (in
französischer,  italienischer  und  lateinischer  Sprache)
aussah.  Auch  kulturhistorisch  ist  das  hier  abgebildete
  Blatt  interessant:  es  ist  eine  Nummer  der
Wöchentlichen  Reichs-Ord(inari)  Zeitung  mit  Nachrichten
  aus  der  Zeit  der  Belagerung  Wiens  durch
die  Türken  (1683).  Der  Originaldruck  ist  natürlich
  grösser  und  wie  alle:  Zeitungen  bis  zum  Ende
des  ı8.  Jahrhunderts  in  Quartformat  gehalten.

Im  Jahre  1571  zählt  Szowon  Rote  in  einem  in
Augsburg  erschienen  Fremdwörterbuch  bereits  über
2500  Wörter  auf,  die  sich  in  der  deutschen  Sprache

t  denket.  2  Bescheidenheit.  °  Recht  behalten.

Zahl  der
Fremdwörter.
