-  1602  —

falls  Klagen  über  die  Unterdrückung  der  deutschen
Sprache  durch.  das  Französische.  Man  nahm  sogar
auf  Reichstagen  offiziell  Stellung;  so  beschwor  Kaiser
Rudolf  II.  auf  dem  Reichstag  zu  Regensburg  (1575)
in  einem  Wahlkapitulationsrevers  unter  anderem:
in  schriften  und  Handlungen  des  Reichs  Kein  Andere

'  Zungen,  noch  sprach  gebrauchen  lasszen,  dan  die

Teutsche  und  Laleinische  Zungen,  d.  h.  die  französische
  Sprache,  die  sich  seit  Karl  V.  im  amtlichen
Gebrauch  der  deutschen  Kanzleien  breit  gemacht
hatte,  von  der  Verwendung  in  seiner  Kanzlei  auszuschliessen.


Da  aber  weder  ernste  Ermahnungen  noch  bitterer
Spott  dem  Unfug  der  Sprachmengereisteuern  konnten,

“  suchten  sprachkundige  Männer  durch  ihr  persön-Sprach-





liches  Beispiel  Abhilfe  zu  schaffen.  Der  hervorragendste
  durch  seine  Stellung  und  auch  zeitlich
einer  der  ersten  Sprachreiniger  ist  Fürst  Ludwig
von  Anhalt-Köthen  ,  der  im  Jahre  1ı617°  —  also
kurz  vor  Ausbruch  des  unseligen  30jährigen  Krieges
—  die  fruchtbringende  Gesellschaft  gründete.
Ihr  Zweck  war  nach  ihren  Satzungen  ‚das  man  die
Hochdeutsche  Sprache  in  ihrem  rechten  wesen  und
stande,  ohne  einmischung  frembader  ausländischer  Wort!
aufs  möglıchste  und  thunlichste  enthalte,  und  sich  sowol
  der  besten  aussprache  im  reden  als  der  reinsten
art  im  schreiben  und  Reimedichten  befleissige.  Jeder
der  Gesellschafter  erhielt  nach  dem  Muster  der
Accademia  della  Crusca  in  Florenz,  deren  Mitglied
Fürst  Ludwig  seit  1600  war,  ein  Gemälde  (d.h.
ein  Bild  als  Symbol  seiner  Tätigkeit),  einen  Namen

1  Man  beachte  den  noch  erhaltenen  alten  Plural;  vgl.
&amp;  15,  S.  110,