schon  früher  erwähnte  Martin  Opitz  stellt  Gesetze
für  die  Form  der  deutschen  Dichtung  auf;  er  erhebt
  die  regelmässige  Abwechslung  von  Hebung
und  Senkung  zur  strengen  Vorschrift;  aber  auch
auf  den  grammatischen  Ausbau  der  Sprachform
bleibt  er  nicht  ohne  Einfluss:  während  Luther
das  Mittelwort  der  Vergangenheit.  noch  vielfach
ohne  die  Vorsilbe  ge-  bildet,  macht  Opitz  ihren
durchgehenden  Gebrauch  zur  Regel.  Die  Partizipien
funden,  kommen,  gangen  u.  a.  (mit  Ausnahme  von
worden)  werden  jetzt  auch  mit  ge-  gebildet;  er
wandelt  nach  unserer  Weise  dieZeitwörter  der  i-Reihe
treibe  —  trieb  —  getrieben  oder  schneide  —  schnitt  —
geschnitten  ab;  auch  schreibt  er  konsequent  ich
gebe,  werde  neben  finde,  schwimme.  Die  Imperative
  der  starken  Verben  bildet  er  ohne  Endung:
gib,  nimm,  zeuch  u.  Ss.  w.,  aber  auch  fall,  schneid,
halt,  ja  sogar  von  schwachen  Verben  kör,  führ,  lieb,
worin  ihm  die  spätere  Sprache  nicht  gefolgt  ist.
Er  verhilft  der  Endung  -z:s  zum  entschiedenen  Sieg
über  das  noch  bei  Luther  häufige  oberdeutsch«:
-nuss,  -nusse.  Dagegen  zieht  er  noch  immer  die
Verkleinerungssilbe  -lein  dem  -chen  seiner  Heimat
vor.  Auch  zahlreiche  andere  Mitglieder  der  fruchtbringenden
  Gesellschaft  beteiligen  sich  am  grammatischen
  Ausbau  des  Deutschen:  Christian  Gueinz
schreibt  eine  „deutsche  Sprachlehre“  (1641);
Philipp  von  Zesen  stellt  (1651)  als  Vorbilder
für  „die  rechte  Zierlichkeit  der  hochdeutschen  Rede
..  ....  des  grossen  Luthers.  Schriften,  die  Reichs»
-abschiede  .  .  .  .  die  Schriften  von  Opitzen‘u.  s.  w.
auf.  Der  grösste  und  berühmteste  Grammatiker
des  17.  Jahrhunderts  ist  Justus  Georg  Schottel;
sein  Hauptwerk  führt  den  Titel:  Ausführliche  Arbeit

Regelung
der  Schriftsprache.


Schottel.