G  ottsched.

von  Bödikers  Buch  Leonhard  Frisch  (1746)  hat
das  Verzeichnis  veralteter  Wörter  oder  nur  in  Teilen
Deutschlands  verständlicher  Ausdrücke  schon  auf
5o  Seiten  gebracht.  So  sehr  hatte  sich  die  Sprache
inzwischen  verändert;  man  war  sich  in  jener  Zeit
schon  ganz  klar  darüber,  dass  man  nicht  mehr  so
rede  und  schreibe  wie  Luther,  ja  nicht  nicht  einmal
  wie  fünfzig  Jahre  zurück.  °

Sehr  förderlich  war  für  die  Weiterentwicklung
unserer  Schriftsprache  das  Auftreten  Joh.  Christ.
Gottscheds  (1700:  1766),  dessen  Sprachkunst  zuerst
  1748,  zum  6.  Male  1776  erschien  und  wie
der  Titel  besagt:  „nach  den  Mustern  der  besten
Schriftsteller  des  vorigen  und  jetzigen  Jahrhunderts
abgefasst“  ist.  Mit  ihm  ist  endgültig  das  sechzehnte
Jahrhundert  als  sprachliches  Muster  aufgegeben;  die
Reihe  der  von  Gottsched  berücksichtigten  Schriftsteller
  beginnt  mit  Opitz.  Auch  die  Kanzleisprache
gilt  als  abgetan.  Zwarist  auch  ihın  das  Meissnische
Hochdeutsch  das  beste  und  reinste,  aber  er  weiss
doch,  dass  das  Hochdeutsche  ‚‚ezne  ausgesuchte  Art
zu  reden  sei,  die  in  keiner  Provinz  völlig  im  Schwange
gehe,  die  man  die  Mundart  der  Gelehrten  oder  auch
wohl  der  Höfe  zu  nennen  pflege‘.  Er  erklärt,  warum
das  mittelländische  oder  obersächsiche  Deutsch  die
beste  hochdeutsche  Mundart  sei:  ‚Der  Sitz  der
deutschen  Gelehrsamkeit  ist  seit  der  Glaubensreinigung
nach  Obersachsen  gewandert.  Sonderlich  ist  er  durch
die  neugestifteten  hohen  Schulen  zu  Wittenberg,  Jena
und  Halle  gleichsam  in  Meissen  befestigt  worden.
Nicht  wenig  hat  auch  der  aus  Frankfurt  am  Main
grösstentheils  nach  Leipzig  gegangene  Bücherhandel
viel  dazu  beigetragen.  Weil  auch  durch  die  Fruchtbringende
  Gesellschaft  in  diesen  Gegenden  die  meisten